Meinung : Schätze der Zukunft

Warum die CDU in Berlin das Bildungsressort übernehmen sollte

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Ist-Ausgaben Berlins für Bildung, also für Kitas, Schule, Wissenschaft, Forschung 2010? Sie wissen es nicht? Es sind 5,142 Milliarden Euro. Nun sage noch einer, das sei kein wichtiger Politikbereich. Aber er sollte noch wichtiger genommen werden, ideell und finanziell.

Denn wie alle Eltern wissen: In Schulen soll zwar zuvörderst Wissen vermittelt werden – doch wäre es hilfreich, wenn die Kinder dabei nicht das Gefühl hätten, auf einen Abwrackhof zu kommen. Die Lehrkräfte übrigens auch nicht. Apropos Lehrer und Erzieher: Es sind hoheitliche Aufgaben, die sie erfüllen, gesellschaftlich von allerhöchster Bedeutung. Das zu sagen vergisst zwar keiner, der in der Politik etwas auf sich hält, nur folgen diesen Worten nicht die entsprechenden Taten. Gerade in einem Land wie diesem, in dem es keine nennenswerten Bodenschätze gibt, wohl aber die Schätze in den Köpfen zu heben wären, muss investiert werden in Bildung, Bildung, Bildung, in schulische und vorschulische und Hochschulen.

Natürlich wird es jetzt heißen, das sei angesichts der Komplexität der Gesamtanforderungen schwierig. Die Antwort ist so banal wie wahr. Erstens sind Politiker dazu da, die Sache der res publica zu vertreten, sprich die Gesellschaft voranzubringen. Zweitens geht es nicht nach Vergnügen, sondern nach Erfordernissen. Drittens führen Prioritäten immer auch zu Posterioritäten. Es kann nicht alles vorrangig sein. Die Ausbildung und Erziehung von Kindern ist aber per se vorrangig, sollte es zumal für das Volk der Dichter und Denker sein, um noch einen anderen Aspekt einzuführen. Die Nobelpreisträger von morgen werden heute entdeckt. Oder eben nicht.

Zu gutmenschig? Bestimmt. Doch in dieser Form des vereinfachenden Blicks auf Politik liegt der Zugang zur Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann mit den wohlfeilen Worten derer, die von Amts wegen Zukunft gestalten und nicht erleiden sollen. In Berlin geht es gerade hochaktuell um dieses Thema, in den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU. Nichts ist neben der Kultur in dieser Stadt so attraktiv wie der Wissensstandort. Der muss immer weiter gestärkt werden, auch weil die Produktion von Gütern hier so schwach ist. In dieser Stadt, der Hauptstadt, ist ein stabiles Fundament wichtig und nicht ständig an neuen Reformen zu werkeln. Wie viele waren es in den vergangenen Jahren, 15, 20? Das kann für niemanden gut sein. Darum muss Stetigkeit einziehen.

Das bietet das Stichwort für diesen Einwurf: Die CDU sollte das Bildungsressort für sich beanspruchen. Dafür gibt es gleich mehrerlei Gründe. Erstens müssen die bürgerlichen Kreise Berlins, die es auch noch gibt, mit den Reformen der jüngeren Vergangenheit versöhnt werden; das können Konservative besser, wie zum Beispiel bei der Einheitsschule. Zweitens gehört Bildung zu den Kernthemen einer Großstadt-CDU, die hier Kompetenz für Lebenswirklichkeit und nebenbei Liberalität beweisen kann, indem sie gesamtstädtisch zum Schulfrieden beiträgt. Davon hätten beide Partner in einer Regierung etwas – zum Wohle der Stadt, die in Bildungsfragen nur ein gemeinsames Ziel kennen kann: sich aus dem unteren Tabellendrittel nach oben zu entwickeln.

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