Meinung : Schlichtung ist uns teuer

„Die Leute haben auf mich gewartet“, Interview mit Schlichterin Renate Jaeger, vom 10. April

So, so, die Leute haben also nach deren eigener Einschätzung auf eine 71-jährige, mit Pensionsansprüchen sicher nicht unter 10 000 Euro/Monat bestens versorgte Ex-Bundes- und Europarichterin gewartet, die in Teilzeit (!) für ein Zubrot von 50 000 Euro p. a. (mehr als ein durchschnittlicher Berliner Vollzeit-Anwalt verdient) in einem Büro in bester und teuerster Berliner Innenstadtlage mit einem Team von drei Teilzeit-Anwältinnen (ist das weibliche Geschlecht Einstellungsvoraussetzung?) in 15 Monaten Tätigkeit seit Januar 2011 gerade mal 27 von 472 formal eng begrenzten, unverbindlichen und dadurch letztlich bedeutungslosen Verfahren durch Schlichtungsvorschläge beendet hat, die in 18 Fällen nicht angenommen wurden? Wohl nicht wirklich! Dennoch fordert sie weitere 300 000 Euro (Klingelbeutel 2,00 Euro x 150 000 Anwälte bundesweit) für eine zusätzliche (Teilzeit-?) Juristin (sic!) und eine weitere Vollzeit-Sekretariatskraft; über diese Bezahlung würde sich jeder Anwalt (m/w) (und auch jede/r Richter/in) freuen! Die neun abschließend durch Schlichtung erledigten Verfahren haben unterm Strich 62 500 Euro pro Fall gekostet (3 Euro x 150 000 Anwälte = 450 000 Euro p.a.:12 x 15 Monate = 562 500 Euro : 9). Objektives Fazit kann nur sein: Experiment gescheitert, Schlichtungsstelle abschaffen. Sie ist lediglich ein Beispiel von vielen für vollkommen überflüssige, unsinnige „politisch korrekte“ zusätzliche Versorgungspöstchen, die von allen bezahlt werden müssen, hier von den Anwälten, von den Mandanten über die Gebühren.

Gerhard Kleifeld, Rechtsanwalt,

Berlin-Charlottenburg

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