Schluss mit Tristesse : Kümmert Euch um Berlins Plätze!

Zugemüllt, trist und verlottert: Viele Plätze in Berlin geben kein schönes Bild ab. Aus Schmuckstücken sind Schmutzflächen geworden. Doch die Verwahrlosung des öffentlichen Raums zu beklagen, genügt nicht.

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Wo Plakate an Ampelmasten irgendwann zu urbanen Stadtmöbeln werden. Schlesische Straße, Kreuzberg.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Henning Onken
21.09.2017 10:50Wo Plakate an Ampelmasten irgendwann zu urbanen Stadtmöbeln werden. Schlesische Straße, Kreuzberg.

Eine Stadt lebt durch ihre Plätze. Sie sind Schmuckstücke, die einem Viertel den Charakter geben, Orte der Entspannung und Ikonen des öffentlichen Raums. In Berlin aber sind die Perlen stumpf geworden. In vielen Fällen ist verlottert, was Bürgersinn einst als repräsentativen Ausdruck einer gediegenen Stadt plante. Aus Schmuckstücken sind Schmutzflächen geworden. Kriegszerstörung, aber auch die Sünden einer autogerechten Schneisenplanung haben schon früh den Plätzen jede Aufenthaltsqualität genommen – heute setzen vor allem Geldmangel und Gleichgültigkeit den Plätzen zu. Wie viel zu tun ist zwischen Antonplatz in Weißensee, Hermann-Ehlers- Platz in Steglitz und dem Spandauer Markt, zeigt eine Serie des Tagesspiegels seit Wochen. Was möglich wäre, auch.

Uns liegt mehr am Herzen als die bauliche Aufhübschung trister Orte. Die beste Anregung, die überzeugendste Idee der Planer ist wenig wert, wenn sich niemand verantwortlich fühlt. Wenn es hinterher keine Pflege und Instandhaltung gibt, dann kann man sich eine teure Neugestaltung sparen. Dagegen kann selbst ein Platz, der planerisch zu wünschen übrig lässt, aber regelmäßig sauber gemacht wird, mehr erfreuen als ein architektonischer Wurf, der vernachlässigt und vermüllt ist.

Es geht deswegen nicht allein ums Bauen und ums Geld. In Berlin, wo das Wegschauen häufig als Toleranz missverstanden wird, geht es um die Wiederaneignung einer Stadt. Es gibt ermutigende Zeichen, dass sich Berliner, Alteingesessene wie Neuankömmlinge, stärker als früher für die Veränderung ihrer Stadt interessieren. Leichter hat es die eruptive Mobilisierung der Wutbürger, die gegen etwas auf die Barrikaden gehen; mühsamer ist es dagegen, Menschen zu ermutigen, sich für etwas einzusetzen. Engagement hat immer dann eine Chance, wenn das Herz dafür schlägt. Erfolgreiche Bürgerplattformen wie „Organizing Schöneweide“ haben gezeigt, was zu erreichen ist, wenn Menschen sich nicht abschrecken lassen durch Behörden, die auf leere Kassen verweisen oder Bürger bürokratisch demotivieren.

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