Meinung : Schritt für Schritt zurück

Deine Rede in der Politik sei nicht ja, ja, nein, nein. Das lehrt der Fall Stoiber

Stephan-Andreas Casdorff

Es geht zu Ende. Er weiß es nur noch nicht. Oder besser: Nur er weiß es noch nicht, wie’s scheint. Oder warum sonst redet er sich um den Rest seiner Reputation, anstatt seine letzte Chance zu wahren und still neue aufzubauen?

Edmund Stoiber: Zögerer, Besserwisser, Oberlehrer – so wird er landauf, landab beschrieben. Und das ihm. Was hätte er werden können: Bundespräsident, EU-Kommissionspräsident, Superminister. Jetzt machen sie Witze über ihn, Hinterbänkler, die sich vorher nicht getraut hätten, ein einziges kritisches Wort gegen ihn zu sagen. Wenn Hinterbänkler die Angst verlieren, der große Stoiber könnte ihre Karriere ruinieren, dann ist das Ende nah. Bis Ostern, wie Alois Glück sagt, dauert die Bewährungsfrist nicht. Eher bis Weihnachten.

Das Wort vom „Rücktritt“ ist in aller Welt und nicht mehr zurückzuholen. Noch gibt es einige wenige, die verständnisvollere Worte für ihn finden, die sagen, dass Stoiber auch arg von Angela Merkel traktiert worden sei und er sich noch einmal „stabilisieren“ werde. Michael Glos ist einer von ihnen. Doch was tut Stoiber? Anstatt zur Lage zu schweigen, in Sonderheit zu der im Bund, kann er nicht ein Mal an sich halten. Seine Ratschläge klingen sofort wieder wie Schläge. Und diesmal treffen sie eben Glos. Was den natürlich nicht darin bestärken wird, Stoiber zu stützen, sondern sich von ihm abzusetzen.

Die Bitte des bayerischen Ministerpräsidenten um eine zweite Chance quittiert die CSU mit Schweigen. Das ist sie, siehe Stoibers Vorgänger Max Streibl, unsentimental. Damals schob Stoiber Streibl zur Seite, als der die Signale nicht hören wollte. Jetzt gibt es wieder Signale, und die Frage ist, wer dem Nachfolger bedeutet, dass es so weit ist, Abschied zu nehmen „vom schönsten Amt, das es gibt in der Republik“ (Stoiber).

Er ist nicht mehr stark, er tut nur noch so. Die CSU aber will Stärke repräsentiert sehen. Joachim Herrmann, der 49-jährige Fraktionschef, wird immer stärker. Schau’n mer mal, sagt der Bayer. Um hinzuzufügen: Des segn mer scho.

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