Meinung : Schweigen ist Gold

Die Deutsche Bank muss Kirch Schadenersatz zahlen

Daniel Rhee-Piening

Das Oberlandesgericht München hat dem früheren Chef der Deutschen Bank und heutigen Aufsichtsrat des Instituts, Rolf E. Breuer, eine schallende Ohrfeige erteilt. Breuer habe „fahrlässig“ gehandelt, als er Anfang 2002 in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch in Zweifel zog. Dem Banker hätte das Bankgeheimnis und damit eine Verschwiegenheitspflicht geläufig sein müssen, urteilten die Richter.

Zwar muss Breuer nicht persönlich für seine Äußerungen haften, aber sein Institut, die Deutsche Bank, muss Kirch wegen Verletzung des Bankgeheimnisses Schadenersatz leisten. Kirchs Anwalt, der medienerfahrene CSU-Politiker Peter Gauweiler, spricht bereits von Milliardensummen, die man einklagen wolle. Reißt Kirch, der den deutschen Medienmarkt erobern wollte und schließlich in Konkurs ging, nun das größte deutsche Kreditinstitut mit in den Abgrund?

So weit ist es noch lange nicht. Zwar hat das Oberlandesgericht eine Revision nicht zugelassen. Der Deutschen Bank bleibt aber die Möglichkeit, gegen diese Nichtzulassung Beschwerde einzulegen und den Fall damit doch noch vor den Bundesgerichtshof zu bringen. Wirtschaftsjuristen rechnen damit, dass die Bank diesen Weg versuchen wird. Und auch das Urteil der Münchner Richter gibt Kirch noch keine Möglichkeit, nun die Hand aufzuhalten.

Das Gericht spricht nur von der „Wahrscheinlichkeit einer Schadensentstehung“ durch Breuers Äußerung. Ob tatsächlich ein Schaden für Kirch entstanden ist und wenn ja, in welcher Höhe, muss in weiteren Verfahren geklärt werden. Kirch muss also konkret bezifferbare Schäden geltend machen können. Dabei könnte es sich um Millionenbeträge handeln. Ein Milliardenschaden hingegen ist ziemlich unwahrscheinlich. Die Börsianer sehen dies ähnlich. Der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie stürzte nach dem Urteil keineswegs ins Bodenlose.

Doch der Imageschaden, den die Bank erlitten hat, ist groß, und in Frankfurt wird man sich Konsequenzen überlegen müssen. Immerhin ist Breuer nicht das erste Mal mit zu schnellen Äußerungen aufgefallen. „Mister Finanzplatz“, wie er gerne genannt wird, verplappert sich schon mal. Das macht die rheinische Frohnatur nicht unsympathisch. Aber auch im Aufsichtsrat der wichtigsten deutschen Bank ist Breuer ein Risiko.

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