Meinung : Sibirische Melancholie im wunderbaren Berlin

„Wo immer alles anders kommt“

vom 2. September

Jürgen Dittberners nostalgischer Rückblick auf das Biotop Westberlin zusammen mit der trostlosen Karikatur von Klaus Stuttmann können einen alten Berliner ja in tiefe Depression treiben. Die Meldungen „Wolf attackiert Staatsanwalt“ und „12 000 Raketen über Westend“ vervollständigen das Bild. Vielleicht hatte Konrad Adenauer ja doch recht, von dem behauptet wird, er habe im Zug nach Berlin immer ab Hannover die Fenster zuziehen lassen, um die sibirische Steppe nicht sehen zu müssen. Eines aber bekomme ich nicht auf die Reihe: War denn Sibirien jemals sexy?

Dr. med. Thomas Lennert,

Berlin-Zehlendorf

Es gelingt Dittberner nicht im Ansatz zu analysieren, warum sich die Stadt in den vergangenen 40 Jahren zum Schlechten gewandelt hat. Ja, unsere Stadt ist arm und ja, sie hat viele Probleme, und sie hat nach der Wiedervereinigung viel durchgemacht. Trotzdem ist es eine wunderbare Stadt. Wenn er jedoch beklagt, dass in Charlottenburg-Wilmersdorf die Brunnen nicht mehr fließen, kann ich nur den Kopf schütteln, schließlich saß Dittberner nun lang genug in der Bezirksverordnetenversammlung. Mit diesem Artikel lieferte Dittberner einen blassen Ritt durch die Berliner Nachkriegsgeschichte und beweist einmal mehr, dass Analytik nicht gerade zu seinen Stärken zählt. Dies ist umso tragischer, als dass Dittberner Parteienforscher ist.

Thomas Bodammer, Berlin-Kreuzberg

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