Meinung : „Sicherheit ist unsere erste, …

Ruth Ciesinger

… zweite und dritte Priorität.“

Doch gerade um die ist es schlecht bestellt, Aschraf Jehangir Qasi, seit Mitte Juli neuer UN-Gesandter für den Irak, hat bisher keine ausländischen Truppen zum Schutz seiner Mitarbeiter. Da diese eigentlich Anfang August nach Bagdad zurückkehren sollen, müssen sie vorerst wohl von US-Truppen bewacht werden. Wegen dieser Probleme steht Qasis Abreisetermin in den Irak noch nicht fest, bereits klar ist, dass den 62-Jährigen die derzeit schwierigste UN-Mission erwartet.

Vor einem Jahr waren bei einem Anschlag auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad 22 Menschen getötet worden, einer von ihnen war Quasis Vorgänger, Sergio Vieira de Mello; nach einem weiteren Attentat zog das gesamte UN-Personal ab. Entsprechend schwer war die Suche nach einem neuen Botschafter. Der bisherige Sondergesandte, der 70-jährige Algerier Lakhdar Brahimi, reichte unter Hinweis auf sein Alter die Aufgabe lieber weiter, andere Kandidaten lehnten mit Blick auf ihre Familien den hochgefährlichen Posten ab. Qasi, selbst verheiratet und Vater von zwei Töchtern, nahm die Herausforderung an.

Der pakistanische Karrierediplomat, der demokratische Wahlen im Irak vorbereiten soll, hat angekündigt, „so eng wie möglich mit der Übergangsregierung zusammenzuarbeiten, ebenso wie mit den Elementen, die bisher nicht am politischen Prozess teilnehmen wollen“. Dabei helfen dürften ihm neben seinen Arabischkenntnissen die Erfahrungen in kritischen Situationen. Bevor er im Jahr 2002 Botschafter Pakistans in Washington wurde, vertrat er sein Land als hoher Kommissar in Indien – wegen des Kaschmirkonflikts ein höchst brisanter Posten. Die ambivalente Rolle Pakistans im Kampf gegen den Terror machte die Aufgabe in den USA nicht weniger schwierig.

Qasi, der als ausgezeichneter Verhandlungsführer und charismatischer Redner gilt, hat in dieser Zeit das Vertrauen der Bush-Regierung erworben. Was ein Vorteil bei der Zusammenarbeit mit den US-Truppen sein dürfte, wird von Widerständlern gegen ihn verwandt. Dort gilt er mitunter als Mann Washingtons, woran sein muslimischer Hintergrund offenbar wenig ändert. Trotzdem lässt er sich einen Optimismus nicht nehmen: Qasi nennt den Einsatz im Irak „eine aufregende Herausforderung“.

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