Sidney Harman, "Newsweek"-Eigentümer : "Ich bringe Energie mit"

Die Musik bei "Newsweek" macht künftig Sidney Harman. Er will das US-Magazin durch eine mehrgleisige Strategie aus Print, Internet und Mobilfunk retten.

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Sidney Harman.
Sidney Harman.Foto: p-a

Darauf dürften derzeit einige Zeitungen und Zeitschriften in den USA warten: einen Milliarden Dollar schweren Unternehmer alter Schule als Käufer. Vor allem, wenn dieser noble ältere Herr das Blatt nicht etwa aus „herkömmlichen ökonomischen Überlegungen“ – sprich: Profitgier – erwirbt, sondern sich schon damit zufrieden gibt, wenn sich das vor dem wirtschaftlichen Ruin befindende Traditionsmagazin „künftig nur selbst trägt“. Für das US-Magazin „Newsweek“ ist dieser Wunsch jetzt in Erfüllung gegangen. Am Montag wurde bekannt gegeben, dass sich der Unternehmer Sidney Harman, der heute 92 Jahre alt wird, gegen drei andere Bieter durchgesetzt hat.

„Newsweek“ war 1933 vom ehemaligen „Time“-Redakteur Thomas Martyn gegründet worden. Seit 1961 gehört das Nachrichtenmagazin zum Verlag der „Washington Post“, deren Redakteure Carl Bernstein und Bob Woodward mit ihren Enthüllungen im Watergate- Skandal Präsident Richard Nixon zu Fall brachten. Im Konkurrenzkampf mit dem übermächtigen Konkurrenten „Time“ (3,4 Millionen verkaufte Exemplare) war „Newsweek“ ( 2,3 Millionen Exemplare) nicht erfolgreich. Zuletzt stand dem Magazin nach Branchenberichten das Wasser bis zum Hals: Allein in diesem Jahr sollen sich die Verluste auf 70 Millionen Dollar belaufen. Nachdem auch der letzte Relaunch von „Newsweek“ keine Trendwende brachte, gab die Washington-Post-Gruppe vor zwei Monaten die Verkaufspläne bekannt.

Die Musik bei „Newsweek“ macht nun künftig Sidney Harman, der sein Vermögen mit Stereoanlagen gemacht hat. Das Unternehmen, das Harman zusammen mit Bernard Kardon Anfang der 50er Jahre gegründet hat, gehörte zu den Pionieren der HiFi-Technik. Heute gehört eine Vielzahl bekannter Unternehmen zum Harman-Konglomerat, darunter auch Traditionsfirmen aus Deutschland und Österreich.

So wie er seinen Konzern geführt hat, will er nun auch „Newsweek“ retten: durch eine mehrgleisige Strategie aus Print, Internet und Mobilfunk. „Trotz meiner Jahre – ich bringe Energie und einen frischen Ansatz mit“, sagte Harman nach dem Kauf. Den zuvor befürchteten Kahlschlag bei der Belegschaft will er vermeiden. Harman kündigte an, alle 325 Stellen zu halten.

Bei aller Philanthropie bleibt Harman dennoch kühl kalkulierender Geschäftsmann. Die „Newsweek“-Schulden übernimmt er nicht, und die Kaufsumme soll gerade einmal beim symbolischen Preis von einem Dollar liegen.

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