Meinung : Sie sollten es besser wissen

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Der Fehler setzt sich fort. Europäische Besserwisserei im Blick auf die Türkei – sie wird Folgen haben. Nicht die besten. Ja, es ist richtig, die Fortschritte der Türken auf dem Weg nach Europa kritisch abzumessen; aber es ist doch mindestens genauso wichtig, zu würdigen, dass es sie gibt. Ja, es ist nötig, die Regierung in Ankara dazu anzuhalten, in ihren Gesetzen nachzuschauen, was sich nun gar nicht mit dem aufgeklärten Geist verträgt, von dem Europa beseelt werden soll. Ein Beispiel: Der Strafrechtsparagraf „Verunglimpfung des Türkentums“ muss gestrichen werden. Aber es ist zugleich wichtig, anzuerkennen, dass es Reformen gibt und wie sie vorankommen. Diese Härte im Umgangston mit der Türkei – als wäre alles, was innerhalb der Union stattfindet, völlig außer der Kritik. Der Umgang mit Minderheiten, Autonomiewünschen, die Korruption, wer sich umschaut, entdeckt in der EU einiges, das im Argen liegt. Das Ultimatum wegen der Zypern-Frage an die Regierung Erdogan ist der falsche Weg. Da muss ein Kompromiss her, dringend. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema, die auseinanderbringt: Wer das will, soll es sagen. Doppelbödig ist der EU nicht würdig. cas

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