Meinung : Sippenhaft

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Jetzt will der Berliner SPD-Fraktionschef Michael Müller richtig ’ran: Wenn Eltern bei der Erziehung versagen, sollen sie Leistungskürzungen fürchten müssen. Kein Kindergeld für Schläger-Eltern – Müller will das „prüfen“ lassen. Daraus kann man schließen, dass der vorsichtige SPD-Vormann selbst nicht an das glaubt, was er laut andenkt. Müller kam damit heraus zu Beginn der SPD-Fraktionsklausur am Wochenende. Die SPD-Fraktion, die noch nicht zusammengefunden hat, war sich gewiss einig in der Empörung über den Angriff von sieben jugendlichen Migranten auf einen Polizisten bei einer Schulfeier. Vier der Schläger waren als Körperverletzer polizeibekannt. Auf die Empörung hat Müller einen populistischen Spruch gesetzt, nach dem Motto: „Wir tun was!“ Die Idee aber wirft nur Fragen auf: Darf man Eltern, die als solche versagen, staatliche Hilfen wie das Kindergeld überhaupt streichen? Wem schadet man damit – den Jugendlichen, zu deren Erziehung das Kindergeld offensichtlich nicht genutzt worden ist, oder den Eltern, die auf die Sanktion sicher genauso sensibel reagieren wie auf frühere Kontakte mit Lehrern, Jugendämtern, Staatsanwälten und Polizisten. Bleibt zu fürchten, dass Müllers Vorstoß den Eindruck hinterlässt, den er nicht wollen kann: „Die reden ja nur …“ wvb.

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