Meinung : Soll aus dem Tempelhofer Feld ein Designerpark werden?

Foto: Mike Wolff
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„Freiraum für die Freiheit“ vom 7. März

Das sieht der Bebauungsplan des Senats vor: Aus einem naturbelassenen historischen Feld soll ein durchgestylter Park mit Busverkehr werden, eingeschlossen von vier- bis sieben-geschossigen Wohnblöcken, teils in dreifacher Reihe, wie an der Oderstraße geplant.

Eine innovative offene Stadt wie Berlin sollte sich den Luxus eines unbebauten Wiesenfeldes mit unverbautem Blick auf den Himmel und den Horizont in der Ferne leisten und weiterhin dem kreativen Potenzial der Bevölkerung vertrauen mit fantastischen Ergebnissen, wie bereits seit der Eröffnung zu sehen ist. Die Bevölkerung aus den angrenzenden dichtbesiedelten Gebieten braucht keinen neuen Stadtteil, sie benötigt Licht, Luft und Platz, den sie bisher nicht hatte, und den sie jetzt vielfältig – mit und zur Freude aller BerlinerInnen – nutzt.

Von welchem Einkommen geht Herr Senator Müller aus, wenn er von bezahlbarem Wohnraum spricht?

Ist ein Designerpark, eingefasst in städtisches Wohnen, ein angemessenes Gedenken an einen historischen Ort?

Volksbegehren mit Volksentscheid wird hoffentlich dieser kalkulierten Vernichtung eines Berliner Schatzes den Weg versperren.

Brigitte Civis, Berlin-Neukölln

Der ehemalige Flughafen Tempelhof, die heutige Tempelhofer Freiheit, ist kein normales Stadtentwicklungsgebiet. Es ist ein einzigartiger Ort mit einer außergewöhnlichen und wechselhaften Geschichte. Jede Nutzung und Entwicklung muss die Bedeutung für die gesamte Stadt – und darüber hinaus – berücksichtigen.

Vor fast fünf Jahren wurde der Flughafen Tempelhof geschlossen. Seitdem ist er zu einer der größten und beliebtesten Freiflächen Berlins geworden. Das 300 Hektar große ehemalige Flugfeld ist heute ein Ort für Erholungssuchende, Sportlerinnen und Sportler, Kreative oder einfach nur neugierige Besucherinnen und Besucher. Und es ist ein Ort für die Zukunft. An den Rändern des Tempelhofer Feldes hat das Land Berlin Flächen für Pionierprojekte bereitgestellt. Dort hat die engagierte Stadtgesellschaft den Freiraum, um soziale, kulturelle oder sportliche Ideen umzusetzen und ein Angebot für die Menschen aus der Nachbarschaft zu schaffen. Neben den Gemeinschaftsgärten an der Oderstraße sind dies Bildungsangebote für Kinder, Theater- und Kunstprojekte. Diese Projekte werden auch in Zukunft auf der Tempelhofer Freiheit ihren Platz haben. Die Planung für die Parklandschaft hat dies von Anfang an vorgesehen und entsprechende Flächen dafür eingeplant.

Heute bietet das Areal vor allem eines: viel Freiraum; eine sechs Kilometer lange Fahrrad-, Skater- und Joggingstrecke und zwei 2000 Meter lange Landebahnen, zweieinhalb Hektar Grillfläche, drei große, umzäunte Hundeauslaufwiesen, sowie einen riesigen Picknickbereich mit Biergarten. Das alles wird es auch in Zukunft geben.

Wir bauen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof keinen Park im klassischen Sinn, und schon gar nicht einen Designerpark. Bereits 2007 hat die Bevölkerung bei einem breit anlegten Online-Dialog drei Wünsche formuliert: Erhaltet die Weite des Flugfeldes; pflanzt schattenspendende Bäume; bringt Wasser auf das Feld. Dies setzen wir bis 2025 um. Es entsteht eine urbane Parklandschaft mit weiten Wiesen, neuen Rad- und Spazierwegen und einem 3 Hektar großen ökologisch und ökonomisch sinnvollen Wasserbecken für das Regenwassermanagement des denkmalgeschützten Flughafengebäudes.

Seit Mitte der 1990er Jahre, lange vor der

Schließung, stand die städtebauliche Leitidee der Nachnutzung fest: Neue Stadtquartiere entstehen nur an den Rändern des Flugfeldes; der innere

Bereich bleibt frei: ein Wiesenmeer inmitten der Großstadt. Daran hat sich nichts geändert.

In Zukunft werden am Rand des Tempelhofer Feldes dringend benötigte Wohnungen und Bildungseinrichtungen wie die Zentral- und Landesbibliothek gebaut. Das denkmalgeschützte Flughafengebäude ist Teil der städtebaulichen Figur. Es kreativ zu nutzen und neu zu beleben, ist ebenfalls seit Jahren Teil des Gesamtentwicklungskonzeptes. Das Gebäude wird erfolgreich als Veranstaltungsort genutzt, in dem Messen, Ausstellungen, Design- und Musikfestivals stattfinden. Zurzeit noch leer stehende Räume werden schrittweise instand gesetzt und an Unternehmen aus der Kreativwirtschaft vermietet.

Vor allem das Thema Wohnen wird in Zukunft eine große Rolle spielen. 4000 bis 4700 Wohnungen sind in der Planung vorgesehen. Hier eine sozial ausgeglichene Balance herzustellen, indem wir nachhaltig mit innovativen Instrumenten bezahlbaren Wohnraum schaffen und über neue Finanzierungs- und Bauherrenmodelle nachdenken ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe für die Politik.

Wer heute in der Mitte des Feldes steht, sieht in der Ferne die Häuserzeilen von Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln. Und er blickt auf die dröhnende Stadtautobahn. Es ist ja nicht so, dass die Stadt im jetzigen Zustand des Tempelhofer Feldes verschwunden ist. Auch in Zukunft werden Besucherinnen und Besucher auf dem Feld zwei Kilometer in Ost-West- und zwei Kilometer in Nord-Südrichtung gehen und sehen können, ohne auf ein Gebäude zu treffen.

Diese Fläche, größer als der Berliner Tiergarten,

ist für mich kein Kessel, sondern die Tempelhofer Freiheit.

— Regula Lüscher, Berliner Senatsbaudirektorin

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