Spanien in der Krise : Retten, was zu retten ist

Die WM ist vorbei, es lebe der König! Doch Spaniens Monarchie muss sich ebenso neu erfinden wie Spaniens Fußball.

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Spaniens neuer König Felipe VI findet ein Land vor, das sich in der Krise neu erfinden muss.
Spaniens neuer König Felipe VI findet ein Land vor, das sich in der Krise neu erfinden muss.Foto: dpa

Es war ein Tag der Trauer für die spanische Fußballnation, und es war ein Tag des Jubels für Spaniens Monarchisten. Auf jeden Fall aber war es ein historischer Tag, der nach der Doppel-Abdankung auf dem Rasen wie an der Staatsspitze einen Neuanfang markieren wird. Zudem lehrte dieser Tag das Land, dass Ansehen und Erfolg niemals garantiert sind, sondern stets aufs Neue durch harte Arbeit und beispielhaftes Benehmen verdient werden müssen. Der alte Juan Carlos fiel von seinem Denkmal, weil er zunehmend der Wirklichkeit entrückt war und mit dem Rücken zu den Bürgern regiert hatte.

Das viel gefeierte Team von Casillas & Co stolperte über den Irrglauben, dass der Höhenflug durch den Fußballhimmel unendlich lange dauert. Hier wie dort müssen dem tiefen Absturz heilsame Reformen folgen. Das Königshaus hat mit der Proklamation von Felipe den ersten Schritt gemacht. Doch der Thronfolger tritt ein außerordentlich schweres Erbe an, denn das spanische Volk kehrt sich zunehmend von der Krone ab, der nach einer Serie von königlichen Skandalen nun schon etliche Zacken fehlen. Auch der organisierte Jubel am Tag des Amtsantritts von Felipe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich viele Spanier eine Republik mit einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt wünschen. Felipe kann sich seiner Zukunft keineswegs sicher sein. Die größte Herausforderung für den neuen Monarchen wird daher sein, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzuerobern.

Felipe wird beweisen müssen, dass ein königlicher Staatschef, der per Adelsabstammung ins Amt rückt, womöglich nützlicher für das Land sein kann als ein demokratisch gewählter Staatspräsident. Das wird ihm nur gelingen, wenn er seinen hoheitlichen Job mit jener Bürgernähe, Bescheidenheit und Transparenz führt, die man von einem modernen Staatsrepräsentanten erwarten darf. Sein Vater Juan Carlos, der fast vier Jahrzehnte auf dem Thron saß, war an dieser Aufgabe gescheitert. Vor allem für Spaniens jüngere Generation wirkt das verkrustete Königshaus heute wie ein Überbleibsel aus früheren Jahrhunderten. Deswegen war es höchste Zeit für eine Verjüngungskur – um von der Monarchie zu retten, was noch zu retten ist. Dabei könnte es sich als Glücksfall erweisen, dass dem 46-jährigen Felipe mit der 41 Jahre alten Letizia eine bürgerliche und ziemlich emanzipierte Königin zur Seite steht.

Letizia, die eine gescheiterte Ehe hinter sich hat und aus einer ganz normalen Familie stammt, kennt die raue Wirklichkeit außerhalb des Palastes. Die gelernte TV-Journalistin weiß, wo die Menschen der Schuh drückt. Sie gilt schon jetzt als Felipes wichtigste Beraterin. Der moralische Verfall der einst so vergötterten Fußball-Könige wiederum begann, als sie eine unverschämte WM-Titelprämie von 720000 Euro pro Nase aushandelten – und das zu einer Zeit, in der so viele spanische Familien gegen Armut und Arbeitslosigkeit kämpfen. Das brachte viele Fans, denen das Wasser bis zum Hals steht, gegen die Nationalmannschaft mit der königlichen Krone im Wappen auf.

Auch auf dem Fußballrasen zeigt sich also: Wenn Könige ihr Volk gegen sich haben, können sie früher oder später einpacken.

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