Meinung : SPD-Parteitag: Ohne Mitleid

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Der Erfolg hat viele Väter - der Misserfolg hat viele Gründe. Auch wenn er so eindeutig ist wie beim niederschmetternden Wahlergebnis für Rudolf Scharping. Natürlich hängt ihm immer noch sein Badesommer nach. Der Mitleidsbonus, auch der Respekt nach der Niederlage von Mannheim sind verbraucht. Als Verteidigungsminister eignete er sich zudem besser als jeder andere, stellvertretend für Schröders Anti-Terror-Krieg bestraft zu werden. Dass Scharping mehr Tiefgang als der Kanzler haben könnte, bleibt unbemerkt, solange er seine Einsichten der SPD - wie in Nürnberg wieder - nach Art des Frontalunterrichts beizubringen versucht. Über eine Hausmacht verfügt er nicht mehr. Sein politisches Gewicht hätte sich aber auch durch ein überragendes Votum nicht vergrößert. Dann hätten alle gesagt, er sei von Gunst und Gnade des Kanzlers abhängig. Klarheit und Knappheit des Resultats lassen auf keine organisierte Aktion von Schröder schließen. Es scheint einfach nur ein ehrliches Ergebnis zu sein: der Stand der Dinge. Somit birgt die mittelgroße Katastrophe sogar noch eine mittelgroße Chance für Scharping. Er ist, was er ist, aus eigenem Recht, selbst wenn das allein nicht lange vorhalten wird. Er kann aber tun, was er leidvoll so oft schon tun musste, was ihm zur zweiten Natur geworden ist: einmal mehr aufstehen als hinfallen. Wenn er noch die Kraft hat. Wenn er noch will.

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