Spion Jonathan Pollard : „Nicht gegen die USA, nur für Israel“

Seit Jahren sitzt Jonathan Pollard als Spielball des Nahostkonflikts in einem amerikanischen Gefängnis. Jetzt könnte er freikommen.

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Jonathan Pollard
Jonathan PollardFoto: AFP

In den Geschichten, die er in den 60er Jahren seinen Mitschülern erzählt haben soll, lebte Jonathan Jay Pollard stets im Dunstkreis der Spionage. Sein Vater, ein Mikrobiologe, arbeite mit der CIA zusammen, ließ er die anderen Jungen wissen. In seiner Bewerbung für einen US-Regierungsjob schleuste der 1954 geborene Pollard später frei erfundene Geheimdienstinformationen ein. Von seinen Eltern in tiefer Liebe zu Israel erzogen, erwog Pollard mehrfach, dorthin auszuwandern. Seine Entscheidung, als Spion in die Dienste Israels zu treten, kann man konsequent nennen. Und wenn Pollard jetzt, im Zuge der Nahost-Verhandlungen, aus amerikanischer Haft freikommen sollte, dann als israelischer Staatsbürger.

Im November 1985 wurde der Nachrichtenoffizier der US-Navy vom FBI verhört. 1979 war Pollard zur Navy gestoßen, 1984 war er in der Hierarchie aufgestiegen und hatte Zugang zu streng geheimen Informationen erlangt. Dass er seitdem exzessiv Informationen aus den Datenbeständen sammelte, viele davon jenseits seines Arbeitsbereiches, machte seine Vorgesetzten schnell nachdenklich. Sie leiteten eine Untersuchung ein, und als das FBI den Offizier dann zum Verhör holte, fanden die Ermittler mehrere Top-Secret-Dokumente in seinem Besitz. Er wurde befragt und befragt. Nach ein paar Tagen hielt Pollard dem Druck nicht mehr stand und flüchtete zur israelischen Botschaft. Die Botschaft jedoch hielt ihre Tore verschlossen.

1987 verurteilte ein US-Gericht Pollard zu lebenslanger Haft. Er hat Israel mit tausenden Dokumenten insbesondere über die militärischen Kapazitäten von Israels Feinden wie dem Irak versorgt. Seit 28 Jahren sitzt der Mann, der sich ein Leben als Spion für Israel sicher anders erträumt hatte, deshalb in Haft. Er habe nicht gegen die Vereinigten Staaten spioniert, argumentierte Pollard, vielmehr für Israel.

Dort wird Pollard als Held gefeiert. Die Regierung machte viele Versuche, ihn freizubekommen, doch bis in die vergangene Woche hinein hieß es: Über Pollards Freilassung wird nicht verhandelt. Im März 2013, als Barack Obama zu einem Staatsbesuch in Israel erwartet wurde, kam Pollards Frau im israelischen Fernsehen zu Wort. Sie und ihr Mann fühlten tiefes Bedauern für das, was geschehen sei. Sie bat Obama um Gnade. Er habe Verständnis für die Gefühle der Israelis, sagte Obama damals. Aber Pollard habe ein sehr ernstes Verbrechen begangen. „Ich habe keine Pläne, ihn unmittelbar freizulassen.“

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