Stanley McChristal, US-Kommandeur : "Kleinere, aber härtere Kämpfe"

Nach nur elf Monaten wird David McKiernan als Operations-Leiter in Afghanistan abgelöst. Ein Vorgang, der Seinesgleichen sucht. Ein Porträt des neuen Kommandeurs Stanley McChrystal.

Markus Ziener
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Foto: dpa

Lange muss man in der Historie blättern, um einen vergleichbaren Vorgang zu finden, nämlich zurück bis in das Jahr 1951: Da enthob der damalige amerikanische Präsident Harry Truman General Douglas MacArthur ebenfalls überraschend und vorzeitig seines Kriegskommandos in Korea – weil dieser den Präsidenten kritisiert hatte. Das hat David McKiernan, der bisher die Operationen in Afghanistan führte, zwar nicht getan; er passt in das neue Konzept des Weißen Hauses und des Pentagons einfach nicht mehr. Da die Lage in Afghanistan immer prekärer wird, zog Verteidigungsminister Robert Gates die Reißlinie und entließ nach nur elf Monaten im Amt den Top-General. Obamas „neue Afghanistan-Strategie“ erfordere „neues Denken“ und „frische Augen“, sagte Gates.

Jetzt ruhen die Hoffnungen auf Stanley McChrystal, dem neuen Kommandeur am Hindukusch – doch nicht alleine. Gates arbeitet dieses Mal mit doppeltem Boden und stellt mit David Rodriguez dem plötzlich beförderten Chef einen Vize an die Seite. Rodriguez wird für die täglichen Militäroperationen verantwortlich sein, McChrystal soll das große Ganze im Blick behalten. Auch diese Aufgabenteilung bedeutet ein Novum für die Armeeführung in Afghanistan.

McChrystal, Absolvent der Militärakademie West Point, begann seine Karriere als Nachrichtendienstoffizier in Südkorea; seit vergangenem Jahr ist er Direktor des Generalstabs. Die Entscheidung für den Generalleutnant ist ein klarer Hinweis darauf, wie sich die USA ihre neue Strategie in Afghanistan vorstellen: ähnlich wie im Irak. Von dort kennt McChrystal nicht nur aus nächster Nähe den täglichen Kampf gegen Rebellen. Zuständig für Militäroperationen, hat er im Irak auch gelernt, dass man gelegentlich seine Konzepte anpassen muss, um erfolgreich zu sein. So hat das Abflauen der Gewalt im Irak ganz wesentlich mit dem Burgfrieden zu tun, der zwischen ehemaligen sunnitischen Aufständischen und den US-Truppen geschlossen wurde. Ihm wird aber auch die „verdeckte Operation“ zugeschrieben, bei der Al-Qaida-Führer Sarkawi getötet wurde.

Nun soll in Afghanistan eine ähnliche Linie eingeschlagen werden: Der harte Taliban-Kern soll von opportunistischen Mitläufern geschieden werden – und mit Letzteren wollen die USA ins Geschäft kommen. Mit McKiernan, einem militärischen Traditionalisten, konnte man sich diesen Weg kaum vorstellen; mit McChrystal schon eher.

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