• Streit um den neuen Direktor der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung": Erst mal keine Versöhnung

Streit um den neuen Direktor der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" : Erst mal keine Versöhnung

Winfrid Halder sollte die umstrittene Stiftung befrieden. Es ist anders gekommen. Ein Porträt

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Aus dem Osten. Vertriebene treffen im Lager Allach bei München ein. Foto: Ernst Grossar/bpk
Aus dem Osten. Vertriebene treffen im Lager Allach bei München ein. Foto: Ernst Grossar/bpkFoto: bpk / Ernst Grossar

Die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Ausscheiden des Gründungsdirektors Manfred Kittel sollte ein unumstrittener Fachmann her. Mit dem Historiker Winfrid Halder glaubte der Stiftungsrat, der für die Bestellung zuständig ist, den richtigen Mann gefunden zu haben. Er wählte ihn am Montag zum neuen Vorsitzenden.
Halder wer?, war dann allerdings die Reaktion bei nicht wenigen Beteiligten. Jedenfalls erklärten gleich fünf Mitglieder des Wissenschaftlichen Beraterkreises, den zu besetzen ohnehin eine Aufgabe der höheren Mathematik darstellt, ihren Rücktritt. Mehr als symbolischer Natur ist diese Geste nicht, denn die Neubesetzung des Beirats steht ohnehin nach der Sommerpause an. Aber es sollte ein Signal sein, dass mit Halder, bisher Leiter des nordrhein-westfälischen und leidlich unbekannten Gerhart-Hauptmann-Hauses in Düsseldorf, eben doch nicht der erhoffte Friedensbringer über den nur mühsam zugeschütteten Gräben in Stiftung, Stiftungsrat und Betroffenen gefunden wurde.

„Wichtiger Schritt in die Zukunft der Stiftung“

Der 52-Jährige leitet seit 2006 das „Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-osteuropäisches Forum“, das 1957 als „Stiftung Haus des Deutschen Ostens“ gegründet wurde. Erst 1992 erhielt die Stiftung ihren heutigen Namen. Seither kann sie angesichts ihrer Öffnung zu Kooperationen mit osteuropäischen Partnern als Modell für die lange umstrittene Bundesstiftung gelten. So zeigt das Düsseldorfer Haus derzeit eine Ausstellung des sowjetischen Kriegsfotografen Jewgenij Chaldej.


Insgesamt 14 Jahre hat Halder, der in Freiburg promoviert und in Dresden habilitiert wurde, an der Universität in Dresden verbracht, ohne dass seine Forschungen etwa über das Sachsen der unmittelbaren Nachkriegszeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden wären. Die Publikationsliste ist überschaubar. Das muss, anders als enttäuschte Fachkollegen meinen, kein Nachteil sein. Die Aufgabe des Direktors der Bundesstiftung besteht schließlich nicht zum Geringsten darin, moderierend zu wirken und die nach wie vor unterschiedlichen Interessen etwa des Vertriebenenverbandes – der die Wahl Halders sogleich begrüßt hat – oder der osteuropäischen Wissenschaftler auszutarieren. Sowohl die Bundesstiftung selbst als auch die Kulturstaatsministerin halten sich bedeckt. Monika Grütters sprach lediglich von einem „wichtigen Schritt in die Zukunft der Stiftung“. Abgewartet werden soll wohl erst, wie sich der künftige Beraterkreis zusammensetzt und mit dem neuen Direktor arrangiert.

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