Superuniversität in Berlin : Erste Klasse, zweite Klasse

Senator Zöllner plant, für die FU eine Laborsituation zu schaffen, eine Idealwelt für Forschung und Lehre. Doch die Luxusuni birgt auch Risiken.

Anja Kühne

Superuni? Nein Danke! – Bislang konnten viele Wissenschaftler dem Plan des Berliner Wissenschaftssenators für ein neues Institut der Spitzenforschung in der Stadt nicht viel Gutes abgewinnen. Die Einrichtung wird als Alien empfunden, als hässlicher Fremdkörper, der sich in seine Wirte, nämlich die Hochschulen, einnistet, deren Blut absaugt und ihnen bedrohlich schnell über den Kopf wächst. Die Unis blieben als schlaffe Hüllen zurück.

Was kommt auf Berlin zu? Jürgen Zöllner plant, eine Laborsituation zu schaffen, eine Idealwelt für Forschung und Lehre. An der Superuni wäre alles besser. Die Professoren wären hoch bezahlt und hätten nur die „besten“ Studierenden. Alle rechtlichen und finanziellen Grenzen, die die Unis sonst hemmen, wären aufgehoben. Wie auch die Trennung von der außeruniversitären Forschung. Die Hauptstadt käme weltweit groß heraus. Zöllner hat auch gute Argumente. Es ist nicht falsch, Stärken zu bündeln und international voranzukommen. Die Lage nach dem Elitewettbewerb spricht ebenfalls für seine Idee. Die Gewichte haben sich zugunsten der Freien Universität verschoben. Der Senat könnte sich dazu entschließen, fortan die FU zu einer „Eliteeinrichtung“ auszubauen, zum Schaden der Humboldt-Universität. Das indes wäre falsch. Ein gemeinsames Dach würde auch die HU und die TU einbinden.

Trotzdem birgt die Luxusuni Risiken. Die heile Parallelwelt könnte künftige Senatoren dazu verführen, die Probleme der alten Hochschulen nicht mehr ernst zu nehmen. Immer mehr „exzellente“ Bereiche könnten ja aus den Mutterunis in die Superuni gerettet werden. Die Superuni kann nur funktionieren, wenn sie von den anderen Unis nicht als feindlicher Fremdkörper aufgefasst wird. Gut, wenn das Kind auch die Namen seiner Mütter trägt. „International Free Humboldt Forum“ lautet jetzt der Arbeitstitel. Und auch sonst muss die Tochter noch enger mit den Mutterunis verzahnt werden. Andernfalls kann alles wie im „Alien“-Film enden: Der Xenomorph verendet in einem Raketenstrahl im All.

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