Toter in der Charité : So nah, so verlassen

Der Tote in der Charité hätte früher gefunden werden können, wenn sich alle Krankenhausmitarbeiter ausgetauscht hätten. Diese Sprachlosigkeit behindert uns auch in anderen Bereichen.

Jeder, der schon mal ins Krankenhaus eingeliefert worden ist, kennt diese Angst: vergessen zu werden, mit Schmerzen, hilflos, alleine. In der Charité war ein Mann unbemerkt auf einer  Toilette gestorben und tagelang nicht gefunden worden. Er war drogenabhängig und wollte vielleicht nicht entdeckt werden. Vielleicht hätte er sonst die Notrufklingel gedrückt, die es in den Kliniktoiletten gibt. Ein Sonderfall? Nein. Jede Klinik kennt verwirrte, demente, von Schmerzen und Medikamenten betäubte Patienten, für die die Notruftaste keine Hilfe ist. Deshalb muss man sich darauf verlassen können, dass Ärzte, Krankenschwestern und ja, auch Putzkräfte, miteinander reden, wenn ihnen etwas auffällt. Aber jeder verrichtet seine Arbeit, so schnell es geht, es muss gespart werden. Merkwürdigkeiten? Der Kollege wird schon etwas tun. Der mangelnde Austausch ist aber nicht nur in Kliniken ein Problem. Wie viel Energie wird verschwendet, weil Kitas und Schulen ihre Konzepte nicht miteinander verzahnen? Wie viele Chancen bleiben ungenutzt, wie viele Probleme stauen sich auf, weil sich Eltern, Lehrer, Kinder und Psychologen nicht über die Potenziale und Probleme eines Schülers austauschen? Sprachlosigkeit kann tödlich enden. Das hat diese Woche auf furchtbare Weise deutlich gemacht. clk

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