Meinung : Tschuldjen Se, dit ick jeboren bin, kommt och nich wieda vor

„Wer ist ein Berliner?“ vom 12. November

Ich wurde 1941 in Berlin Prenzlauer Berg geboren; meine Eltern sind ebenfalls gebürtige Berliner, und meine Großeltern stammen zur einen Hälfte aus Berlin und zur anderen aus Schlesien. Ich bezeichne mich als „echte Berlinerin“. In der Beschreibung der Spezies Urberliner sehe ich viel Wahres, aber auch, was fehlt und womit ich nicht einverstanden bin.

Es fehlt zum Beispiel das, was einen „echten-„ oder Ur-Berliner auszeichnet: Das ist seine Direktheit, die manchmal wehtut – aber ich bevorzuge diese Ehrlichkeit beim Umgang miteinander und habe sie bei meinem mehrjährigen Leben in Helsinki sehr vermisst. Man weiß bei einem Berliner („echten“), woran man mit ihm ist. Dass wir „krakehlvergnügt“ sind, finde ich nicht. Das klingt etwas wie niedere Ebene und wird leider im TV oft so praktiziert, indem man häufig Kriminelle oder Asoziale berlinern lässt. Für Schenkelklopfer halte ich Rheinländer. In meinem Wohnhaus im Süden Berlins stehen nur die Schuhe der im Westen geborenen Mieter vor der Tür; die „Ostler“ nehmen sie rein. Auch die Illustration stimmt meines Erachtens nicht, da der Urberliner die Wurst in die Hand nimmt, oder sie mit der Schrippe isst, aber nicht in ihr. Und ich glaube auch nicht, dass man es lernen kann, Urberliner zu sein. Das hat man mit der Muttermilch bekommen. Und daher werden wir leider tatsächlich aussterben. Schade um uns!

Monika Scheunemann, Berlin-Steglitz

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