Türkei : „Der Islamismus ist Besorgnis erregend“

Knallharter Falke und nachdenklicher Mann: Ilker Basbug. Ein Porträt des türkischen Armeechefs in Spe.

Thomas Seibert

Hinter der Fassade eines ruhigen Offiziers versteckt Ilker Basbug zwei Persönlichkeiten. Der designierte neue Chef der türkischen Armee kann ein knallharter Falke sein, aber auch ein nachdenklicher Mann, der Reformen in seinem Land nicht abgeneigt ist. In den kommenden beiden Jahren wird sich zeigen, welche der beiden Seiten des 65-Jährigen die Oberhand gewinnt – eine Frage, die für die Zukunft der Türkei sehr wichtig werden könnte.

Am heutigen Montag soll Basbugs Ernennung bekannt gegeben werden; Ende August löst er Generalstabschef Yasar Büyükanit ab, der in den Ruhestand geht. Wie Büyükanit wird auch Basbug aus Altersgründen lediglich zwei Jahre an der Spitze der nach der US-Armee zweitstärksten Streitkraft der Nato stehen. Basbug, dessen Name auf Deutsch „Oberbefehlshaber“ bedeutet, hat Erfahrung über die Türkei hinaus. Im Verlauf seiner Karriere studierte er an der britischen Militärakademie und diente bei der Nato in Brüssel.

Spätestens seit Basbugs Ernennung zum Chef der Landstreitkräfte vor zwei Jahren ist klar, dass die Generäle ihn an die oberste Spitze der Armee befördern wollen. Dass die türkische Regierung bei der Entscheidung über den neuen Generalstabschef nichts mitzureden hat, spricht Bände über die nach wie vor starke politische Position der türkischen Militärs.

Anders als der bisweilen polternd auftretende Büyükanit ist Basbug ein Mann der leisen Töne. Ideologisch liegt er aber ganz auf Linie. Islamisten und kurdische Separatisten sind für ihn die innenpolitischen Hauptfeinde. Das sorgt für Spannungen mit der gemäßigt-islamischen AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. „Die islamistische Bedrohung ist Besorgnis erregend“, sagte Basbug in einer Grundsatzrede 2006. Auch forderte er schon früh eine türkische Militärintervention nach Nordirak, um gegen die PKK-Kurdenrebellen vorzugehen.

Doch Basbug kann auch anders. In den vergangenen Wochen traf er sich zu einem ersten langen Gedankenaustausch mit Erdogan. Auch äußerte sich Basbug überraschend positiv zu den Plänen der Regierung, einen neuen kurdischen Sender bei der staatlichen Fernsehanstalt TRT einzurichten. Anders als andere Spitzenoffiziere, die so tun, als sei die PKK schon längst besiegt, legt Basbug bei seiner Bewertung der Lage ein großes Maß an Realismus an den Tag: „Wenn wir erfolgreich gewesen wären, würden wir heute nicht mehr kämpfen.“ Thomas Seibert

0 Kommentare

Neuester Kommentar