Meinung : Ungezuckerte Kommunikation

„Senat entsetzt über Hetze vor Flüchtlingsheim“ vom 11. Juli

Das Elend der Welt hat viele Namen, doch jetzt schreit es so laut, dass niemand mehr seine Ohren davor verschließen kann. Es ist vorbei mit dem Weghören und Wegsehen, denn die über 6000 Menschen hoffen auf ein neues, ein freies und selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Kinder. Sie kommen vielfach aus sogenannten „failed“, also gescheiterten Staaten, aber auch aus bitterarmen Ländern, in denen die herrschenden Eliten oft mit brutaler Gewalt bestimmen, was Recht, was Freiheit, was Menschenwürde und Verantwortung für das Gemeinwohl nach ihrer Meinung bedeuten.

Wer in diesem Spiel der schamlosen Bereicherung, der alles durchsetzenden Korruption, der Ausplünderung des Staates und der Mitmenschen, der von Angst besetzten Anpassung und Abhängigkeit nicht mithalten kann, weil Leib und Leben in ständiger Gefahr sind, hat schon verloren. Ihm bleibt nur noch eins: flüchten oder standhalten. So sind diejenigen, die den Fluchtweg wählen, die Mutigen und Tapferen, die in ihrem Gepäck die Hoffnung auf ein lebenswertes Dasein mitbringen, das wir nicht enttäuschen dürfen. Doch können wir ihre Erwartungen erfüllen? Sind wir wirklich bereit, in diesen Flüchtlingen den leidenden, den angsterfüllten und traumatisch gezeichneten Menschen zu sehen? Oder sind wir so xenophob, dass wir alle nur erdenklichen Argumentationsschlupflöcher ausfindig machen, um diese Menschen wieder loszuwerden? Schreckt dabei nicht mancher sogar vor dem Gift völkisch Vorgestriger zurück, um seine Pfründe, seinen Kiez zu verbarrikadieren?

Es ist eine schwere Aufgabe. Auch mit den Menschen, in deren Vierteln nun die „Fremden“ vorerst bleiben werden, bis ihre Zukunft sich Schritt für Schritt abzeichnen wird, bis das amtlich bestimmte Miteinander für uns zum selbstverständlichen Alltag wird. Dazu gehört, dass die Bürokratie ohne Verzug über ihre Schatten springt und die Menschen nicht im Warteraum des Nichtstuns hängen lässt, weil die Bestimmungen dem Handeln auf unbestimmte Zeit Fesseln anlegen.

Für die Politik muss jetzt ein Kapitel der ungezuckerten Kommunikation mit jenen Staaten beginnen, die Schuld daran sind, dass ihre Landeskinder in Scharen ihre Heimat verlassen, weil sie dort keine Zukunft haben. Es wird allerhöchste Zeit, dass diese Staaten, die nicht selten mit „Entwicklungshilfen“ in Milliardenhöhe „gepampert“ werden, und die in Berlin ein aufwendiges diplomatisches Leben in z. T. luxuriösen Residenzen führen, daran zu erinnern, dass sie ihre „sozialen Schularbeiten“ endlich anpacken müssen, wenn sie in der Weltgemeinschaft nicht jeden Kredit verlieren wollen.

Arnulf Joachim v. Tomberg,

Berlin-Charlottenburg

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