Meinung : Unter uns

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WO IST GOTT?

Auf der Suche nach Gott machen wir die widersprüchlichsten Erfahrungen. Als uns die Probleme einmal über dem Kopf zusammenschlugen und wir ihn dringend brauchten, war von ihm weit und breit nichts zu sehen. Er tat nichts, er verhinderte nichts, man konnte praktisch nicht mit ihm rechnen. Und weil kein Gott da war, mussten wir eben selber sein wie Gott. Ich bin der Herr, mein Gott. Ich kann tun und lassen was ich will.

Doch diese atheistischen Anwandlungen schlugen nicht wirklich durch. Schon, dass wir einfach nicht das Zeug zu einem höheren Wesen haben, weder wir selber noch unsere Mitmenschen. Wir Menschen können nicht alles wissen, nicht alles. Uns glückt nicht alles, uns gehorcht nicht alles. Umso mehr ahnen wir, mindestens schattenhaft, eine überlegene höhere Macht. Offensichtlich werden wir irgendwie von ihr umsorgt, getragen, ertragen, sind jedenfalls von ihr gewollt. In diesem Sinn sind wir förmlich eingedeckt von Gottes Wirklichkeit. Das gilt nicht nur individuell sondern auch für unsere Gesellschaft. Erstaunlich, dass wir noch da sind. Darum ist es trotz aller grausigen Vorgänge auf Erden sehr schwer, Gott wirklich wegzudenken.

Nun bin ich nach dem christlichen Glauben gefragt, und das kann doch sinnvoll nur heißen, nach dem Glauben an Gott im Zeichen des lebendigen Christus. Dieser Glaube entsteht nicht durch psychische Schockbehandlung. Man ergrübelt sich ihn auch nicht.

Zwar hat Glaube eine Menge mit folgerichtigem Denken zu tun, aber zuerst und zuletzt lebt er vom Zuhören, vom sich Hineinhören in eine Zusatzinformation. Diese, also die Bibel, hat Atemberaubendes zum Inhalt. Gott ist aus der Allgemeinheit herausgetreten und hat sich in den Raum der Geschichte begeben. Es begann im Volk Israel und erfüllte sich mit Jesus von Nazareth. Durch den gekreuzigten und auferstandenen Jesus hat Gott die Schuld und Leitfrage, unter der die Kreatur ächzt und stöhnt, zur Chefsache gemacht. Er hat angefangen zu trösten und die Schöpfung wieder zu sich zurück zu lenken. Er wird sein Werk vollenden. So dunkel jetzt der Weg auch ist.

Gottes gewiss zu werden, vollzieht sich also Hand in Hand mit der Kenntnisnahme der guten Nachricht aus der Bibel. Ein zweiseitiger Vorgang geschieht, etwa wie beim Händefalten. Eine Hand allein lässt sich nicht falten. Sie würde nur in Luft greifen. So wäre ein Christus ohne Bibel gegenstandslos. Wir würden nur unsere eigene Rhetorik genießen. Aber auf der anderen Seite wird uns auch nicht zugemutet, allein auf Grund von Papier und Druckerschwärze zu glauben. Vielmehr sind wir bei der Bibel sofort in außergewöhnlich guten Händen. Paulus nennt das „Der Glaube kommt“, wir müssen ihm nicht nachlaufen.

So arbeiten Wort und Geist zusammen und schaffen Gewissheit. Die Gewissheit, dass Christus heute derselbe ist wie damals und als solcher mitten unter uns ist. Es geschieht im Schoß der Bibel lesenden, glaubenden und dienenden Gemeinde.

Der Autor ist Pastor i.R. im Bund Freikirchlicher Gemeinden, früher Dozent am Theologenseminar in Buckow.

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