Meinung : Unterabteilung Gemäldegalerie

„Der unsichtbare Schatz“ vom 19. Mai

Da steht nun der Hüter dieses Schatzes alter Meisterwerke, Direktor Lindemann, mit ängstlich fragendem Blick vor seinen Gemälden und jammert, dass keine Besucher kommen. Warum sollten sie auch? Wer kann denn erkennen, dass sich hinter der nichtssagenden Bezeichnung „Kulturforum, Unterabteilung Gemäldegalerie“ eine Sammlung alter Meisterwerke verbirgt, die sich auf einer Stufe mit dem Louvre und der Eremitage sieht? Ich habe einige hundert Museumsbesuche weltweit hinter mir und habe diese bedeutende Gemäldesammlung nur zufällig gefunden, als ich im Kupferstichkabinett eine Radierung von Rembrandt habe prüfen lassen.

Aus der Namensgebung wird in keinster Weise deutlich, dass es sich hier nicht nur um eine der zahllosen Gemäldegalerien Berlins, sondern um das zentrale Museum alter Meisterwerke von herausragender nationaler und internationaler Bedeutung handelt. Es gibt daher nur einen Namen, der dieses Museum sofort mit seiner wahren Bedeutung darstellt: Alte Nationalgalerie. Die jetzige „Alte Nationalgalerie“ sollte umbenannt werden in „Nationalgalerie“, da die dortigen Exponate keine „alten Werke“ der Malerei darstellen, sondern an der Schwelle zur modernen Malerei angesiedelt sind. Der Begriff „Alte Nationalgalerie“ ist daher ebenfalls irreführend. Wenn man zusätzlich die langweilige Architektur durch riesige Hinweistafeln über dem Haupteingang aufpeppen würde und auch an der Neuen Nationalgalerie große Hinweise anbrächte, könnte man durchaus die Besucherzahlen verdoppeln. Der Platz an sich ist nicht schlecht, wie auch die Erfolgsgeschichte der Neuen Nationalgalerie zeigt, und auch die großen Ausstellungsräume des Museums sind sehr brauchbar. Man muss sich allerdings schon ein bisschen was einfallen lassen und die Ärmel hochkrempeln, anstatt zu jammern und nach einem neuen, millionenschweren Museumsneubau zu rufen.

Hans-Georg Tillmann,

Berlin-Wilmersdorf

Solange an diesem Ort unkorrespondierender, hochrangiger Kultursolitäre keine Einsicht in das grundlegende Scheitern dieses Ausdrucks der anti-urbanen Moderne besteht und solange man nicht wagt, sich von dem Bestehenden zu emanzipieren, um eine signifikante Neuformung des Raumes anzustreben, bleibt das so vollmundig genannte Kulturforum ungelöst. Oder, man bescheidet sich, die bestehenden anspruchsvollen Architektursolitäre sozusagen als Kulturtempel in eine Art Garten/Parklandschaft in Erweiterung des Tiergartens einzubetten. Sollte aber eine Lösung der urbanen An- und Einbindung des zur Zeit peripher wirkenden Kulturforums in die Stadt Berlin angestrebt werden, bedürfte es eines Generalplanes unter Einbeziehung der gesamten Umgebung, auch der, das Kulturforum sträflich ignorierenden, Neubebauung des Potsdamer-Platz-Areals. Hierzu reicht es nicht aus, ein „Gästehaus“ und ein Turmhaus an anderer Stelle zu implantieren. Die gegebenen Ausstellungsgebäude, Konzerträume und Bibliotheken sind so weitläufig entrückt, dass man sie mit aller Kraft enger zusammenziehen möchte, um dem so inständig ersehnten „Kulturforum“ endlich zur Wirklichkeit zu verhelfen. Dieser für Kultureinrichtungen von Weltrang völlig unwürdige Ort bedarf einer dringenden Neuformung und Neufassung des Raumes mit infrastruktureller Anbindung.

Werner Brunner, Berlin-Kreuzberg

Was mir wirklich Sorge macht, sind die Aussagen von Professor Parzinger, Stiftung Preußischer Kulturbesitz: In drei, vier Jahren soll möglichst die Moderne ins jetzige Haus der Gemäldegalerie eingezogen sein. Man muss Druck aufbauen, um den angedachten Neubau der Gemäldegalerie an der Museumsinsel in Gang zu setzen. Dabei gibt es noch nicht mal einen Architekturwettbewerb für den Neubau der Gemäldegalerie, geschweige denn irgendwelche Zusagen zur Finanzierung. Heißt das also: Wir stecken die Schätze der Gemäldegalerie ins Depot, leihen sie aus und zeigen ein paar Highlights im Bodemuseum, damit die Politik sieht, wie nötig ein Neubau ist? Das wird nicht funktionieren, wie das traurige Beispiel der Skulpturengalerie zeigt, bei der genau so verfahren worden ist, obwohl Planung und Finanzierung feststanden. Sie war jahrelang in Berlin nicht präsent: Kein Hahn hat danach gekräht, kein Politiker hat das als schmerzlichen Verlust beklagt, bis sie 2006 endlich im Bodemuseum gezeigt werden konnte.

Ich wünsche mir wirklich eine klare Aussage von Professor Parzinger: „Die Moderne zieht erst in die heutige Gemäldegalerie, nachdem die Gemäldegalerie in den Neubau an der Museumsinsel gezogen ist.“ Andernfalls ist der Zug wohl abgefahren und Berlin wird für Jahre oder Jahrzehnte, was Gemälde angeht, eine Kunstwüste des 19. bis 21. Jahrhunderts sein.

Wolfgang Gülcker, Berlin-Schöneberg

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