US-Republikaner, Obama und Iran : Erst die Ohrfeige, dann der Tritt

Es begann mit der dreisten Wahlkampfhilfe für Netanjahu im Kongress, jetzt grätschen die Republikaner ihrem Präsidenten in der Außenpolitik dazwischen. Das ist vor allem eines - schäbig. Ein Kommentar.

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Nicht amüsiert - US Präsident Barack Obama.
Nicht amüsiert - US Präsident Barack Obama.Foto: dpa

Es ist beunruhigend, wie schnell in der ältesten Demokratie der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika, Anstand in Niedertracht umschlagen kann. Schon die Wahlkampfhilfe der Republikaner für Benjamin Netanjahu war ein Affront. In gewohnt apokalyptischer Rhetorik – von den Amalekitern bis zu den Nazis wurde alles aufgefahren – durfte Israels Ministerpräsident im Kongress die Iranpolitik Barack Obamas geißeln. Man stelle sich vor, eine demokratische Kongressmehrheit hätte im Herbst 2002, kurz vor der Bundestagswahl, Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeladen, damit dieser in Washington D.C. gegen Guantanamo und die Irakkriegspläne von Präsident George W. Bush wettern kann. Zeter und Mordio hätten die Republikaner gebrüllt. Doch nun haben sie gleich ein weiteres Tabu gebrochen. In einem offenen Brief an die Regierung in Teheran schreiben 47 republikanische Senatoren, ein Abkommen mit Obama im Atomstreit könne jederzeit von einer neuen US-Regierung gekippt werden. Außenpolitik ist in Amerika Sache des Präsidenten. Parlamentarier, die ihm auf solch derbe Weise dazwischengrätschen, beschädigen das Amt. Erst die Ohrfeige, dann den Tritt in den Allerwertesten. Schäbiger geht’s kaum noch.

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