Meinung : USA: Für alle Fälle

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Ist das nicht alles vorbei? Der Kalte Krieg, die Sowjetunion, der Kommunismus? Können deshalb nicht überall auf der Welt die Schwerter in Pflugscharen und die Panzer in Solarfahrzeuge verwandelt werden? Ohne Zweifel: In Europa wurde der Fall der Mauer als das Ende aller Rüstungsnotwendigkeiten empfunden. Seit Jahren sinkt dort in fast allen Ländern der Verteidigungshaushalt. In Amerika dagegen bedeutete der Fall der Mauer nur ein, nicht aber das Ende der sicherheitspolitischen Aufmerksamkeit. Seitdem wurde im Golf- und Kosovokrieg gekämpft, rückten Truppen in Somalia, Haiti und auf dem Balkan ein. In den 90ern haben die USA mehr militärische Auseinandersetzungen geführt als in den 80ern. Um sieben Prozent, das sind 33 Milliarden Dollar, will das Pentagon seine Ausgaben jetzt steigern dürfen. Das zeugt, aus europäischer Perspektive, von Angst, Verschwendungslust oder rückwärtsgewandter Überheblichkeit. Bei genauerem Hinsehen freilich verändert sich das Bild. Mit nicht einmal drei Prozent des Gesamtetats soll der Aufbau eines Raketenabwehrschirms finanziert werden. Im Wesentlichen geht es um die umfassende Modernisierung der US-Armee und um eine einseitige Abrüstung im Bereich der Nuklearbomber und der nuklearen Langstreckenraketen. Die Techno-Fraktion im Pentagon, die teure, computergestützte Waffensysteme bevorzugt, hat sich gegen die Heavy-Metal-Fraktion, die auf schweres Geschütz steht, durchgesetzt. Vorbei sind aus US-Sicht seit dem Mauerfall nur die Krisen in Europa. Aber dort leben auch nur sechs Prozent der Weltbevölkerung.

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