Vergleich zu Managergehälter : Millionengagen im Sport sind etwas anderes

Nicht nur Manager, auch Spitzensportler können Millionen verdienen. Doch das regt uns kaum auf. Warum wir es erträglicher finden, dass Ballspieler klotzig verdienen, als wenn das Betriebswirte tun.

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Mario Götze gehört zu den Spitzenverdienern im Fußballgeschäft.
Mario Götze gehört zu den Spitzenverdienern im Fußballgeschäft.Foto: dpa

Was ist Arbeit wert? Manche arbeiten für sechs, sieben oder acht Euro in der Stunde, viele haben ein Monatsgehalt von 1000 Euro, 1600 Euro oder 3200 Euro. Gemeint sind nicht die Niedrig- und Durchschnittsverdiener im allgemeinen Wirtschaftsleben. Gemeint sind Fußballspieler in der dritten Fußballliga und in den Regionalligen. Profis und Halbprofis. Mario Götze soll bei Bayern demnächst ein Grundgehalt von 12 Millionen Euro im Jahr verdienen. Er bekommt mehr als das 300-Fache eines Spielers in der dritten Liga.

Ist das richtig? Legt man die Debatte um Managergehälter zugrunde, ist das viel zu viel. Beim Fußball aber würde niemand auf die Idee kommen, eine Gehälterdeckelung zu verlangen. Denn zwischen Fußballer- und Managerbezügen gibt es einen Unterschied. Es ist die Beziehung zwischen Leistung und Lohn, oder besser: zwischen Fehlleistung und Lohnausfall. Im einen Fall ist sie da, im anderen nicht immer.

Klar, auch Fußballer sind nicht aus sich selbst heraus Ballgenies. Wie angehende Betriebswirte besuchen sie meist öffentliche Schulen. Sie trainieren auf öffentlichen Fußballplätzen, lernen oft bei ehrenamtlichen Trainern, dass Talent allein nicht reicht. Der Fußball lebt – wie auch Unternehmen – von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann.

Trotzdem finden wir es erträglicher, dass Ballspieler klotzig verdienen, als wenn Betriebswirte das tun. Denn beim Fußball gibt es einen Zusammenhang zwischen Leistung und Belohnung. Spielt ein Fußballer schlecht, stürzt sein Jahresgehalt ab. Das empfinden wir als gerecht. Deshalb sehen wir gnädig zu, wenn ein 19-Jähriger Millionen bekommt.

Bei Managern ist das anders. In der Finanzkrise wurde deutlich, dass viele Firmen ein Vergütungssystem haben, in dem das Spitzenpersonal immer gewinnt – selbst wenn es schlecht gearbeitet hat. Daher misstrauen wir Managern mehr als früher. Ändern wird sich das erst, wenn auch die Betriebswirte ihr Verletzungsrisiko tragen. Wer die Firma schädigt, soll nicht belohnt werden. Dafür müssen die Eigentümer sorgen. Dann aber haben auch die Spitzenangestellten das Recht, ihr Gehalt allein zu verhandeln. Wie Fußballer. Ohne dass die Durchschnittsgesellschaft mitpalavert.

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