Meinung : Versetzung gefährdet

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Wenn man heute einen beliebigen Politiker mitten in der Nacht aufweckte und fragte, was das zurzeit allerwichtigste Politikfeld ist, wäre die Antwort vermutlich immer dieselbe: Bildung. Seit zwei, drei Jahren sind die Schulen und Kindergärten ein knallhartes politisches Thema. Seitdem gelten Ausgaben für Lehrer und Schulunterricht nicht mehr als Personalausgaben, sondern werden mit der Chiffre „Investitionen in die Köpfe unserer Kinder“ umschrieben. Bildung ist Chefsache geworden. Das hat Konsequenzen, die den Landesschulministern wie auch ihren Chefs offenbar erst jetzt klar werden.

Wenn das Licht der Mächtigen auf die Schulen leuchtet, wenn Ausgaben für Bildung nicht mehr dem allgemeinen und strikten Sparzwang unterliegen sollen, dann dürfen auch Versäumnisse und Nachlässigkeiten nicht mehr folgenlos bleiben. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden, wenn etwas falsch läuft. In Berlin war das bislang offenbar anders. Zwar sagt der Regierende Bürgermeister, dass Schulen ihm wichtig sind und dass jedes Kind Deutsch sprechen muss, wenn es eingeschult wird. Doch es braucht Tage, bis er nach einem Verzweiflungsakt wie dem der Neuköllner Lehrer zu sprechen ist. Wäre Bildung wirklich Chefsache und stünde sie auch im wirklichen Leben ganz oben auf der Prioritätenliste, dann gäbe es ein Frühwarnsystem. Eines, das auch in den Chefzimmern Handlungsbedarf signalisierte – vielleicht nicht bei den ersten Rempeleien auf dem Schulhof, sicher aber bei wachsender Schulverweigerung, oder wenn die Lehrer um Hilfe bitten.

Klaus Wowereit hat der Rütli-Schule neue Köpfe und frischen Wind verordnet, damit die Schüler dort wieder etwas lernen, damit die Schule wieder funktionsfähig wird. Dass neue Köpfe und frischer Wind oft viel bewirken, gilt nicht nur für einzelne Hauptschulen. Es gilt auch für die Schulpolitik.

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