Meinung : Viel Rabatt - aber kaum noch Kredit

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Ganz, ganz langsam nähert sich der Fall Biedenkopf seinem Ende - und doch viel schneller, als ihm lieb ist. Jetzt hat der sächsische Ministerpräsident zumindest durchblicken lassen, dass er sich eine vorzeitige Amtsaufgabe vorstellen kann. Damit nimmt er die Realität wahr - zu seinem Besten. Denn Biedenkopf hat seinen Ruf in Sachsen schon ramponiert, aber noch nicht ruiniert. Und die nächsten Wochen werden zeigen, wie der Regierungschef nach einem Jahrzehnt im Gedächtnis bleiben wird: Als ein Politiker, der den Sachsen ihr Selbstbewusstsein zurückgab und vieles Gute auf den Weg brachte; oder als einer, der zum Schluss kein Maß mehr kannte, privat und politisch. Wie er seine Nachfolge blockiert, ist das eine. Hinzu kommt, wie er wohnt, wie er spart, wie er einem guten Freund einen großen Auftrag verschafft. Das ist wohl weniger eine Sache für Gerichte, aber das Urteil kann es dennoch prägen. Manches lässt sich ja noch erklären, zum Beispiel die Auftragsvergabe für das Behördenzentrum Paunsdorf. Was allerdings bleibt, ist die Frage: Hat er das nötig? Dass Kurt Hans Biedenkopf etliche Parteifreunde in seiner hochfahrenden, selbstgerechten Art an Helmut Kohl erinnert, müsste ihn selbst am meisten schmerzen.

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