Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Wer sind die libyschen Rebellen? Was passiert in Syrien? Was macht Obama? Und Westerwelle? Vier Fragen über die Welt - beantwortet von "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Was wissen wir eigentlich von den libyschen Rebellen – sind das Demokraten oder Islamisten?
WmdW notiert eine ganze Menge Vollbärte – Zeichen der Frömmigkeit. Ansonsten wissen wir nicht viel, und deshalb wollen die Amerikaner jetzt Special-Ops-Leute (bestimmt ebenfalls bärtige) absetzen, um die Jungs unter die Lupe zu nehmen. Denn: Wie WmdW vorausgesagt hat, gewinnt eine Flugverbotszone keinen Krieg (Saddam hat ihr neun Jahre lang getrotzt). Also sind Waffen der nächste Schritt, dem Ausbilder wie das Allahu akbar („Gott ist groß“) in der Moschee folgen werden. Mit Ausbildern fing übrigens unter Kennedy in Vietnam der Einsatz von Bodentruppen an. Aber ganz grundsätzlich-historisch: Wer nach einem blutigen Bürgerkrieg gewinnt (anders als die Friedfertigen in Kairo), entpuppt sich nie als liberal-demokratisches Lämmchen. „Nice guys never win“, sagt der Anglo.

Auch in Syrien revoltieren die Menschen. Ist das Land für den Westen nicht wichtiger als Libyen?

Ja. Syrien ist der ewige Nein-Sager im sogenannten Friedensprozess; den Golan hätten die beiden Assads längst im Austausch für Frieden mit Israel wiederhaben können. Syrien ist auch die Brücke von Ankara nach Teheran, die beide imperiale Ambitionen in Nahost pflegen. Schließlich ist Syrien die Pipeline, die Hisbollah im Libanon mit Raketen aus Iran versorgt, und die können wiederum einen Krieg mit Israel auslösen. Die Assad-Dynastie ist nach Achmadinedschad der gefährlichste Störenfried in Nahost. Ein bisschen Demokratie wäre nicht schlecht.

Obama muss sparen. Vielen Demokraten ist sein Kurs zu hart, vielen Republikanern zu weich. Zwischen allen Stühlen: Ist das ein Ehrenplatz?

Einerseits verschärft das die Gefahr, die allen Mal- so-mal-so-Artisten dräut: zwischen allen Stühlen erschossen zu werden (das ist bildlich gemeint!). Andererseits: Was soll Obama machen? Die Amerikaner, die schon zwei Kriege am Hals haben, mögen diesen dritten in Libyen nicht. Nur: Ein bisschen Krieg ist wie ein bisschen schwanger. Sowohl der Feldzug als auch die Leibesfrucht haben einen natürlichen Hang zur Ausdehnung. Obama hätte klüger entschieden, wenn er die Führung behalten hätte, statt sich von Sarkozy treiben zu lassen.

Ein (letztes?) Wort zum amtierenden Außenminister...

Guido W.’s Lebenserwartung im Amt - als FDP-Chef jedenfalls - ist nicht hoch. WmdW ist aber nicht überzeugt davon, dass die neue Jungmänner-Regie die Partei retten kann. Lebensalter= Erfahrung=Urteilskraft. Mit dreißig hat man noch nicht genug angesammelt. WmdW will Adenauer wiederhaben – oder wenigstens Steinbrück. In der großen Politik ist 64 besser als 34.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte Malte Lehming.

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