Vier Fragen : Was macht die Welt?

Der Zeit-Herausgeber Josef Joffe beantwortet vier Fragen zur Außenpolitik. Dieses Mal erklärt er, warum die Griechen ausziehen, was Nicolas Sarkozy jetzt macht und welche Killer-App Obama bedroht.

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Die Griechen haben das Chaos gewählt. Fliegen sie aus dem Euro?

Nicht „fliegen“, sondern ordnungsgemäß ausziehen. Einen kleinen Schubs haben sie von unserem obersten Kassenwart, Wolfgang Schäuble, schon bekommen: Wenn es weg will, „werden wir Griechenland nicht (zum Bleiben) zwingen können“. Wahlausgang und Regierungslosigkeit zeigen, dass die Griechen ihre Souflaki essen und zugleich behalten wollen: Euro ja, Reform nein. Das Haushaltsdefizit hat sich zwar etwas verbessert, liegt aber immer noch bei minus zehn Prozent. Und die EU bleibt hart: kein Moos ohne „Los!“ bei den schmerzhaften Reformen. Die „gute“ Nachricht? Die Märkte haben Pleite und Ausstieg längst eingepreist; neue langfristige Anleihen (bis 2042) werden mit etwa einem Fünftel des Nominalpreises bewertet.

Obama will die Homo-Ehe. Ist das taktisch klug?

Es ist auf jeden Fall ein taktischer Zug, nachdem die jüngsten Umfragen etwa halbe-halbe für/gegen die Homo-Ehe tendieren. Folglich eine riskante Wette, zumal in umkämpften Staaten wie North Carolina, wo die Wähler gerade mit 61 Prozent für einen Verfassungszusatz gestimmt haben, der „Ehe“ als den Bund zwischen Mann und Frau definiert. Vier Fünftel der 50 Staaten haben für ähnliche Gesetze votiert. Obamas Kehrtwendung ist sowieso gewagt in einem Land, das „Familienwerte“ höher hält als Nordeuropa. Die eigentliche Killer-App aber ist die Wirtschaft: Fällt die Arbeitslosigkeit nicht deutlich ab bis November, könnte Obama ein „one-term president“ werden.

Nicolas Sarkozy geht. Was soll er jetzt machen?

Einerseits: sich keine Sorgen machen. Es gibt 6000 Euro pro Monat, plus Auto, Wohnung und Frei-Flüge in der Air France. Zieht er wie Vorgänger Chirac in das oberste Gericht ein, gibt’s noch eine dicke Sahneschicht oben drauf. Andererseits: Seine Immunität erlischt, und deshalb braucht er einen sehr guten und teuren Anwalt. Diverse Affären harren der Aufklärung, z.B., ob der einst verehrte Gaddafi seinen Wahlkampf 2007 mit 50 Mio. finanziert habe. Chirac geriet vor Gericht. Das süße Leben im Elysée hat seinen Preis. „Sarko“ hätte Anwalt bleiben sollen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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