VIZECHEF VON MCDONALD’S: : „Wir müssen europäischer werden“

Ralph Alvarez ist die Nummer zwei in der McDonald’s-Hierarchie. Er will der Hamburger-Kette einen Strategiewechsel verpassen - nicht zum ersten Mal.

Maren Peters

Es hat schon was, dass ausgerechnet ein gebürtiger Kubaner die amerikanische Fast- Food-Kette McDonald’s europäischer machen will. Seit wenigen Tagen testen 30 deutsche Filialen des Burgerbraters neben Müslijoghurt auch Suppen wie die traditionelle russische Soljanka – eine heiße Terrine aus Fleisch, Tomatenmark und sauer eingelegtem Gemüse. Auf die Idee gekommen ist Ralph Alvarez, als Leiter des operativen Geschäfts die Nummer zwei in der McDonald’s-Hierarchie, ein mächtiger Mann also. „Zurzeit ist Europa die aufregendste Region für uns“, sagt Alvarez. Er hat den Kontinent zu seinem wichtigsten Wachstumsmarkt erklärt. Statt auf Fast Food von der Stange will er stärker auf lokale Spezialitäten setzen.

Es ist nicht der erste Strategiewechsel, den Alvarez der Hamburgerkette verpasst. Vor ein paar Jahren rettete er den Konzern mit der Idee, Ein-Dollar-Menüs einzuführen. McDonald’s war damals in einer schwierigen Phase, weil der Konzern das wachsende Gesundheitsbewusstsein seiner Kunden nicht rechtzeitig erkannt hatte. Die wanderten deshalb in großer Zahl zur Konkurrenz ab.

Auch dort kennt sich Alvarez aus. Seine Karriere begann er bei Burger King, später arbeitete er auch bei der Sandwichkette Wendy’s und brachte es auch dort bis zum Vizechef. Schon das eine steile Karriere für den gebürtigen Kubaner, der als siebenjähriger mit seinen Eltern vor Fidel Castro flüchtete und in Miami aufwuchs. Aber das sollte erst das Vorspiel sein. 1994 wurde er von McDonald’s abgeworben – und brachte es innerhalb von nur zwölf Jahren zum stellvertretenden Chef der größten Fast-Food-Kette der Welt. Nicht mal ein Verhältnis mit einer verheirateten Untergebenen, wegen der er kurzfristig den Konzern verlassen musste, hat seinen Aufstieg bremsen können. Alvarez heuerte zwar bei Chipotle Mexican Grill an – wurde aber nur ein Jahr später von McDonald’s als Mexiko-Chef zurückgeholt. Er könne sich wunderbar auf Details konzentrieren ohne das große Ganze aus dem Auge zu verlieren, lobte damals ein hochrangiger Manager.

Jetzt will sich der Latino die europäischen Essgewohnheiten im Detail anschauen, ohne dabei das große Geschäft aus den Augen zu verlieren. „Wir sind zwar eine amerikanische Marke. Aber wir müssen europäischer werden“, sagt der 51-Jährige. In Europa will die Kette in diesem Jahr genauso viel investieren wie in den USA – obwohl es hier nur halb so viele Restaurants gibt. Maren Peters

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