Meinung : Von Spaniels und Spendern

Von Roger Boyes, The Times

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Ein Grenzposten zwischen dem reichen und dem armen Berlin ist die Uhlandstraße. Östlich vom KempinskiPlaza wird alles ein wenig schäbiger. Kein Zufall, dass Udo Walz seinen Hundeladen gerade dort eröffnet hat. Die von KPM lizensierten Hundeschalen für 1190 Euro wirken dort nicht ganz so absurd wie ein paar Straßen weiter östlich. Es ist bequem – und reiche Leute lieben die Idee, durch Geld Zeit zu sparen –, denn man kann sich im Salon des Meisters Strähnchen machen lassen, während nebenan der eigene Pudel oder Labrador gebleicht, manikürt und massiert wird. Den Eingang zum Hunde- Walz krönt ein großes Bild der Queen, wie sie einen Corgi in den Armen hält. Niemand hat dem Meister gesagt, dass dieser Corgi vor kurzem Prinzessin Annes Hund die Kehle durchgebissen hatte – ein Zwischenfall, der kurz etwas Aufregung in das Leben der Royals brachte.

Zufällig stand ich neulich neben diesem Bild, zusammen mit Mac, meinem unentwegt dreckigen, aber phlegmatischen West Highland Terrier, als mir eine frisch schamponierte Nachbarin mit ihrem frisch schamponierten Spaniel entgegenkam. „Schrecklich, dieser Tsunami“, sagte die Grunewald- Dame, die in ihrem Kitzbüheler Chalet geweilt hatte, als die Katastrophe passierte. Sie sprach das Wort „Zu-nahm-ee“ aus. „Schrecklich“, pflichtete ich ihr bei. „Haben Sie gespendet?“ Journalisten dürfen solche Fragen stellen. „Selbstverständlich. 150 Euro. Und Sie?“

Im Schaufenster des Hundeladens entdeckte ich die Preisliste. Mahagoni-Hundebett: 329 Euro. „Die brauchen dort sehr viel weniger zum Leben, wissen Sie. Fünf Euro reichen für das Essen eines ganzen Tages.“ Ein weiterer Blick auf die Preisliste: Leckerlis ab 4,90 Euro.

Es ist traurig, dass das Wort Tsunami nun Teil der deutschen Sprache geworden ist. Die meisten Worte, die aus dem Japanischen übernommen wurden, scheinen eher mit exotischen Todesarten (Kamikaze, Harakiri) oder rohem Essen zu tun zu haben. Unser Interesse an Japan oder Asien, scheint darüber nicht hinaus zu gehen. Die Japaner sind dagegen von Deutschland fasziniert. Ihre Sprache bringt ihr breites Interesse zum Ausdruck: arubeito (Nebenjob), autobahn (Autobahn), ryukkusakku (Rucksack), winaschnittsero (Wiener Schnitzel). Auch Beate Uhse hat ihre Spuren hinterlassen: impotentsu (Impotenz) und orugasumusu (Orgasmus). Im Thailändischen gibt es ähnliche Lehnworte.

Vielleicht führt diese furchtbare Katastrophe im Indischen Ozean dazu, dass wir mehr über Länder wissen wollen, die bisher Orte darstellten, wo man im Winter die Sonne sucht oder Elefanten oder billige Antiquitäten. Schließlich wurden viele hundert Deutsche, Schweden und Engländer durch die Tapferkeit der Thais gerettet. Einige von ihnen vernachlässigten ihre Familien, um Fremde aus Essen oder Würzburg zu retten.

Leider wurde in der europäischen Presse davon nur wenig berichtet. Wenn die Reporter sich die Mühe gemacht (oder die sprachlichen Voraussetzungen gehabt) hätten, um mit den Einheimischen zu reden, hätten sie etwas lernen können von der Großzügigkeit des Buddhismus oder darüber, was Mut ausmacht.

Den Sonntagsreden und Galas der vergangenen drei Wochen zum Trotz hat diese Tragödie nicht nur mit der Verantwortung der Reichen für die Armen zu tun. Meine Nachbarin hat sich dieser Aufgabe mit Leichtigkeit entledigt, zwischen Hunde-Walz und Frauchen-Walz. Spenden helfen, aber sie stellen die kleinstmöglichen Unterbrechungen der Alltagsroutine dar. Es ist wichtiger, dass globale Tragödien ein globales Denken hervorrufen. In diesen zerstörten Gemeinschaften in Südasien herrscht eine gefasste Würde, die über Trauer hinausgeht. Davon können wir lernen, östlich wie westlich der Uhlandstraße.

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