Meinung : Währung ohne Gewähr

Martina Ohm

Erst die Fernsehberichte über Plünderungen und Ausnahmezustand in Buenos Aires haben die argentinische Krise ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Nach vier Jahren Rezession steht Argentinien vor der Pleite. Das Land ist zahlungsunfähig. Die Arbeitslosenquote beträgt 18 Prozent und 40 Prozent der 36 Millionen Menschen leben in Armut. Viele fragen sich, wie es so weit kommen konnte.

Es gab schließlich Zeiten, da zählte Argentinien zu den reichsten Ländern der Welt. Das ist zwar schon ein Weilchen her. Doch auch in den vergangenen Jahren, nach erfolgreicher Bekämpfung der Hyperinflation, gab es immer wieder Hoffnung auf eine dauerhafte ökonomische Erholung. Das Land, reich an Rohstoffen, galt jedenfalls nicht als Armenhaus.

Heute ist vom Krieg der Armen gegen die Armen die Rede. Das Land hat abgewirtschaftet - und das nicht über Nacht. Uneinsichtig hielt der umstrittene Wirtschaftsminister Domingo Cavallo, bis zuletzt an der festen Bindung des Peso zum US-Dollar fest und steuerte sein Land auf diese Weise zielsicher in die Misere. Das Instrument, mit dem der "Zauberkünstler" Anfang der 90er Jahre Argentinien wieder auf Kurs brachte, offenbarte als Dauertherapie tödliche Wirkung: Die künstlich teure Währung lähmte nicht nur die argentinische Exportwirtschaft. Sie verführte auch zu überdimensionierten, weil preiswerten Importen und drangsalierte so die heimische Produktion. Auf den internationalen Märkten kann das Land heute nicht mehr konkurrieren.

Diese Stabilität auf Pump ist Argentinien zum Verhängnis geworden. Jetzt ruht die Hoffnung auf einem Interimspräsidenten, der zur alten Garde der Peronisten zählt, und einer neuen Währung, der niemand vertrauen kann. Denn hinter dem Argentino, der als dritte - nicht konvertible - Währung neben Peso und Dollar Anfang des neuen Jahres eingeführt werden soll, steht keine Hoffnung.

Weder gibt Argentiniens erster Mann, Adolfo Rodriguez Saa, ein Patriarch mit Vermögen, dazu Anlass - noch die Aussicht auf eine Rückkehr von Ex-Präsident Carlos Menem, der bei ausländischen Investoren Ansehen genießt. Weder gibt es ein finanzpolitisches Konzept, das auch politisch umsetzbar wäre und den Internationalen Währungsfonds am Ende doch zum Einlenken bewegen könnte, noch damit verbundene Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung. Die neue Währung, so viel steht fest, wird die Heilkräfte nicht entfalten, die ihr die politische Führung in ihrer Hilflosigkeit zuspricht. Der Argentino wird Argentinien nicht retten. Die Regierung in Buenos Aires weiß das. Und sie weiß: Um eine Abwertung des Peso kommt sie nicht herum.

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