Meinung : Wahl in Großbritannien: Rettet den Euro - und die Tories

Labour - die zweite: Tony Blair hat seine Amtsgeschäfte in der Downing Street, von denen ihn ein langweiliger Wahlkampf vorübergehend abgehalten hat, wieder aufgenommen. Und jetzt wird es spannend: Denn der Wahlerfolg hat ihm ein Mandat für das lang ersehnte Referendum über die Einführung des Euro erteilt. Und da der Sieg wieder, wie schon 1997, einer von der Marke "Erdrutsch" ist, kann man sich auch ausrechnen, wann die Briten über den Euro abstimmen - eher früher als später.

Doch der erste Eindruck, den das Bild von der überwältigenden Labour-Mehrheit im Unterhaus vermittelt, täuscht. Die Briten - wenn sie überhaupt zur Wahl gingen - haben Blair ihre Stimme mit dem Kopf und nicht mit dem Bauch gegeben. Desolate Krankenhäuser, überfüllte Schulen und eine Infrastruktur im permanenten Reparaturzustand - all dies haben die Wähler hingenommen. Aber nicht wegen der vielzitierten britischen Leidensfähigkeit, sondern auf Grund einer klaren Erkenntnis: Zu "New Labour" gibt es derzeit keine Alternative. Die Briten werden ihren Regierungschef jetzt verstärkt daran messen, ob sich der Gesundheitsdienst und das Erziehungswesen wirklich wie versprochen verbessern. Blair bastelt schon fleißig an einer Lösung. Sie soll nicht nur durch das Füllhorn des Staates, sondern auch eine straffere Organisation im Bildungs- und Gesundheitswesen zu Stande kommen.

Für den Euro aber hat Blair kein Patentrezept. Es sind zwei Punkte, die dem Premier am Tag nach seiner Wiederwahl zu denken geben. Einmal darf er keineswegs glauben, die Briten seien nun allesamt zu Euro-Freunden geworden. Die Unterhauswahl war noch lange nicht die endgültige Entscheidung über den Beitritt zur Währungsunion. Sicher hat der instinktlose Oppositionsführer William Hague versucht, die Wahl zur Frage über den Fortbestand des Pfundes umzumünzen. Die Wähler sind ihm aber nicht gefolgt - sie werden ohnehin noch einmal bei einem Referendum gefragt. Und da ist zweitens die anhaltende Euro-Schwäche - auch keine Werbung für die Gemeinschaftswährung.

Dennoch scheint es, als seien die Briten gerade dabei, ihre Urangst vor dem Euro und dem Verlust der Souveränität an dunkle kontinentaleuropäische Mächte abzulegen. Am liebsten würde Blair natürlich mit dem Referendum warten, bis der gewünschte Ausgang garantiert ist. Doch darauf wird er sich nicht verlassen können. Ein "Ja" zum Euro ist vor dem Hintergrund des Wahlausgangs zwar wahrscheinlicher geworden, aber nicht sicher. Und eine Garantie von den Blättern des Verlegers Murdoch, still zu halten oder sich sogar auf die Seite der Euro-Befürworter zu schlagen, kann Blair nicht erwarten.

So liegt das Währungs-Schicksal Großbritanniens vor allem in den Händen Blairs - und der Konservativen. Nach dem Debakel mit ihrer "save the pound"-Strategie müssten sie eigentlich von der Versuchung kuriert sein, erneut einen Nationalisten vom Schlage William Hagues an ihre Spitze zu stellen. Der Weg, den der Oppositionsführer rechts von Blair einschlug, führt in die Isolation. Wenn die Partei ihn weiter geht, müssen die britischen Wähler ernsthaft befürchten, dass es irgendwann tatsächlich keine Alternative mehr zu "New Labour" gibt.

Wer auch immer die Nachfolge Hagues antritt, wird die Partei der Konservativen neu erfinden müssen: Mitfühlend, aber doch nicht ohne Gespür für die Realitäten des Marktes, frei von Fremdenfeindlichkeit und doch mit dem Ohr an der Bevölkerung. Auch Angela Merkel wird gespannt verfolgen, wie das demnächst auf der Insel zusammengeht.

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