Wahlkampf in Frankreich : Madame Merkel sollte sich nicht einmischen

Das moderne Europa hat seine Stärke immer aus seiner Vielgestaltigkeit bezogen. Merkels Wahlkampfhilfe für Sarkozy ist falsch - und kontraproduktiv.

von
Das gute Verhältnis zwischen dem französischen Staatschef und der Bundeskanzlerin sorgt auch auf dem Rosenmontagsumzügen für Spott.
Das gute Verhältnis zwischen dem französischen Staatschef und der Bundeskanzlerin sorgt auch auf dem Rosenmontagsumzügen für...Foto: dpa

Fragt man in Frankreich den sprichwörtlichen Mann auf der Straße, den kleinen Geschäftsmann oder Angestellten, was er von Madame Merkel hält, ist die Antwort zumeist überschwänglich. Denn Madame Merkel steht für eine funktionierende Wirtschaft, für steigende Löhne und geringe Arbeitslosigkeit. Bei Monsieur le Président ist sich der Durchschnittsfranzose viel weniger sicher. Da kann es dann leicht geschehen, dass man sich von Monsieur Hollande erhofft, was Madame Merkel liefert: eine boomende Wirtschaft.

Deshalb ist auch die Idee der Bundeskanzlerin, für Sarkozy Wahlkampf zu machen, keine gute. Denn es ist eben nicht so, dass die Franzosen zu den gleichen Schlussfolgerungen gelangen wie die deutschen Regierenden, eben dass Sarkozy noch immer besser ist als der Sozialist Hollande, der, sollte er seine wirtschaftlichen Vorstellungen verwirklichen müssen, von den Märkten noch viel mehr abgestraft werden dürfte als der derzeitige Amtsinhaber. Schon deswegen sollte ein deutscher Regierungschef den Franzosen nicht vorschreiben wollen, wen sie zu wählen haben. Bei aller wirtschaftlichen Verflechtung und den Wunschvorstellungen mancher Europa-Parlamentarier – es gibt keine europäische öffentliche Meinung, es gibt eine deutsche, eine französische oder italienische, aber eben keine europäische. Es ist nicht gut, wenn die Anhänger von Hollande das Gefühl haben, nicht allein für ihn, sondern auch noch gegen den mächtigen rechtsrheinischen Nachbarn zu stimmen.

Wie sehr alle Versuche, eine europäische Bewusstseinszone vorwegzunehmen, danebengehen können, lehrt uns gerade wieder Griechenland. Schlechter könnten die Beziehungen zwischen Deutschland und diesem Land kaum sein, wenn der griechische Staatspräsident den deutschen Finanzminister in den Senkel stellt und Zeitungen Frau Merkel in SA-Uniform und Hakenkreuzbinde abbilden. Da wird selbst Hilfe zur Unterdrückung und Mahnungen werden zu unerträglichen Einmischungsversuchen. Da mögen die Eliten in Berlin und Brüssel noch so oft darauf verweisen, dass man nur gemeinsam gegen die Konkurrenz mit Amerika, China oder Indien bestehen könne, jahrtausendealte kulturelle Spaltungen lassen sich nicht durch die Kopfgeburten ökonomischer Notwendigkeiten überwinden.

Schließlich blieben auch Athen und Sparta unabhängig, als sie dem persischen Großkönig Paroli bieten mussten. Das moderne Europa hat seine Stärke immer aus seiner Vielgestaltigkeit bezogen und ist zwangsweisen Vereinigungsversuchen – seien es nun die Karls V., Napoleons oder Hitlers gewesen – stets mit Widerstand begegnet. Es ist nicht gut, diese Tradition ökonomischen Notwendigkeiten zu opfern, ehe die Menschen selbst die Vereinigten Staaten von Europa wollen. Frau Merkels französischer Wahlkampf könnte so leicht zum Bumerang werden, der am Ende genau das Frankreich heraufführt, das die Kanzlerin verhindern will.

Schließlich dürfte sich der klassische sozialdemokratische Stammwähler auch nicht gerade nach einer Wahlempfehlung Monsieur Sarkozys sehnen oder gar der Tory-Wähler aus Sussex nach einer deutschen Empfehlung zur schottischen Unabhängigkeit.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben