Meinung : Was gleich wirkt, kann anders sein

Von Gerd Appenzeller

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Wer schnell schießt, trifft vielleicht eher, läuft aber auch Gefahr, das Ziel zu verfehlen. So geht es jetzt Arbeitsminister Franz Müntefering und seinem Projekt „Rente ab 67“. Seit er im Kabinett durchgesetzt hat, dass die Verlängerung der Lebensarbeitszeit früher als geplant greifen soll, gleicht die SPD einem aufgescheuchtem Hühnerhof. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der in wenigen Wochen eine Landtagswahl gewinnen will, möchte Dachdecker und andere strapaziöse Berufe von der neuen Regelung ausnehmen, der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck springt ihm bei, Müntefering widerspricht beiden, und der Sozialexperte Karl Lauterbach hält das Ganze schon deshalb für ungerecht, weil Arme länger einzahlen, aber früher sterben.

In der Küche würde man diese Gemengelage als missglückten Rührkuchen bezeichnen – lauter nachvollziehbare Überlegungen, aber kaum etwas im Zusammenhang gesehen und zu Ende gedacht. Das ganze Projekt „Rente ab 67“ ist ein Windei, so lange schon Hunderttausende von 50-Jährigen keinen Job mehr bekommen, weil sie angeblich zu alt für den Arbeitsmarkt sind. Wer sich dann nicht mit 65, sondern erst mit 67 in die Rente retten kann, ist ziemlich angeschmiert. Und stimmt tatsächlich, dass früher stirbt, wer arm ist? Und wenn ja, liegt das am mangelnden Geld für eine gesunde Lebensführung, am fehlenden Wissen darüber, was dem Körper bekommt und was nicht, oder an krank machenden Arbeitsbedingungen? Raucht und säuft der Gebildete weniger und lebt deshalb länger? Und überhaupt, die Frauen! Warum ist deren Lebenserwartung, egal ob studiert oder nach der Hauptschule abgegangen, höher als die der Männer?

Fazit: Manches wirkt gleich oder ähnlich, kann aber völlig unterschiedliche Ursachen haben – ganz davon abgesehen, dass die Menschen selbst eben sehr verschieden sind. Was in dieser Diskussion im Moment also fehlt, sind verlässliche Zahlen und deren schlüssige Interpretationen.

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