Meinung : Was macht die Welt?: Araber haben wenig zu sagen, der Kanzler sagt das Richtige

Wie lange kann der amerikanische Präsident Ge

Wie lange kann der amerikanische Präsident George W. Bush angesichts der Leiden vor allem der New Yorker mit dem Gegenschlag noch warten?

Die richtige Frage ist: Wie lange wird es dauern? Der Angriff auf New York war fürchterlicher als der auf Pearl Harbor, und zwar nicht nur, weil man zum Schluss drei Mal so viele Todesopfer zählen wird. New York ist nicht, wie damals Hawaii, eine Art Kolonie, sondern das Zentrum amerikanischer wirtschaftlicher wie kultureller Macht. Weil die USA im Kern getroffen worden sind, wird der Kampf wie in den beiden Weltkriegen erst enden, wenn der Feind am Boden ist. Ein Vergleich mit Israel nach dem Münchner Olympia-Massaker von 1972 drängt sich auf: Die Täter wurden geduldig und hartnäckig gejagt, bis der letzte von ihnen tot war. Der Drahtzieher Abu Jihad, Arafats bester Mann, wurde erst 25 Jahre danach in seiner Villa in Tunis erschossen.

Die Proteste in Pakistan zeigen, dass ein Angriff auf die Helfer der Terroristen im benachbarten Afghanistan einen fundamentalistischen Umsturz auslösen könnte. Kann der Westen überhaupt einen Gegenschlag ausführen, ohne die moderaten Regierungen in der halben moslemischen Welt zu gefährden und den Fundamentalisten Argumente zu liefern?

Man sollte sich nicht zu sehr von den inszenierten Bildern des Amerika-Hasses beeindrucken lassen. Ein kühler Blick auf die arabische Welt zeigt, wie unsäglich stark die dortigen Regime sind. In Syrien und im Irak herrscht seit 32 Jahren unangefochten die Diktatur (Assad, Saddam Hussein) das gleiche gilt für Saudi-Arabien, wo seit fünfzig Jahren die Wahabiten den Thron besetzen. Ebenso die Haschemiten in Jordanien. Desgleichen die Scheichs in den kleinen Golfstaaten. In Ägypten herrscht eine mildere Version des Nasserismus, der vor knapp fünfzig Jahren an die Macht gelangte. Das ägyptische System hat den Sadat-Mord problemlos weggesteckt: Mubarak ist seit zwanzig Jahren im Sattel, seine islamischen Terroristen aber sind im Gefängnis oder im Paradies. In Pakistan wird zwar andauernd geputscht, aber in Wahrheit ist immer das Militär an der Macht. Fazit: Das Volk hat in Arabien wenig zu sagen.

In den jüngsten Tagen reisten der britische Premier Tony Blair und der französische Präsident Jacques Chirac nach Washington. Für Deutschland fuhr Außenminister Joschka Fischer. Warum denn nicht Bundeskanzler Schröder?

Gerhard Schröder ist für die Wacht an der Spree zuständig. Es drohen: eine böse Rezession, viel mehr Arbeitslose, das Ende des Sparkurses, höhere Steuern, Koalitionkrisen wegen der verschärften inneren Sicherheit. Politik als Love Parade und Bunte-Bilder ist vorbei. Warum sonst noch Fischer? Weil er besser Englisch spricht und in Washington eine gute Presse hat.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Die macht noch immer alles richtig. In seiner fast schon historischen Regierungserklärung hat Gerhard Schröder genau die richtigen Signale ausgegeben: Uneingeschränkter Beistand für die USA im Kampf gegen den Terror, aber kein Blankoscheck für "Abenteuer".

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