Meinung : Welche Nutzungsmöglichkeiten gibt es für TXL?

Foto: promo
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Berichterstattung zur Offenhaltung Flughafen Tegel

Wie man im Tagesspiegel liest, erhalten wir jetzt mächtig Gegenwind zum Vorschlag, Tegel weiterhin offen zu halten. Das mag einerseits richtig sein für die Menschen, die dort wohnen oder zugezogen sind. Das aber geht allen Menschen so, die in der Nähe von Flughäfen einer Metropole wohnen. Oder sind die Londoner glücklicher, bei denen ebenso in andauernder Folge einfliegende Flugzeuge über die Dächer ihrer Wohnhäuserreihen in Flughafennähe „brettern“?

Merkwürdigerweise gab es meines Wissens sogar wenig diesbezügliche Klagen seinerzeit aus dem Bereich Tempelhof; den Anwohnern schien richtig etwas zu fehlen, als dort endgültig dichtgemacht wurde. Unbestritten ist aber Tegel für Berlin eine wertvolle bestehende Ressource wegen seiner ausgezeichneten Anbindung an die Stadt und großer Beliebtheit bei Passagieren und Airlines. Hier ist eine Schließung ohne besondere Not wieder einmal viel zu voreilig festgelegt worden. Es sollte nicht diskutiert werden, ob und wann Tegel geschlossen wird, sondern wie man diese Alternative bei geringerer Zahl von Flugbewegungen weiterhin nutzen könnte, schon um die Schönefelder zu entlasten und eine Ausweichmöglichkeit zu erhalten.

Nils Boettcher, Berlin-Zehlendorf

Natürlich haben wir Tegel liebgewonnen. Mit der Schließung kommt Wehmut auf. Dieser Flughafen gehörte gefühlt immer zu dieser Stadt. Noch emotionaler wurde damals die Debatte um die Schließung von Tempelhof geführt. Die Widerstände gegen die Schließung waren massiv. Interessanterweise wird nun das zurückeroberte Tempelhofer Feld verteidigt, als hätte es nie eine andere Nutzung gegeben. Wer den Weiterbetrieb vom Flughafen Tegel plant, schadet Berlin. Und ignoriert den Anspruch, dass Politik verlässliche Grundlagen für persönliche und unternehmerische Entscheidungen schafft. Betroffene haben sich auf demokratische Planverfahren und höchstrichterliche Urteile verlassen und entsprechende Entscheidungen getroffen. Das gilt für Anwohner wie für Unternehmen und Tausende von Mitarbeitern. Diese haben durch Terminverschiebungen und aktuelle Grundsatzdebatten keine belastbaren Perspektiven im Umfeld beider Flughäfen. Investitionen sind gefährdet.

Auch wäre ein Betrieb von zwei Flughäfen nicht nur unwirtschaftlich, es gibt hierfür auch keine Notwendigkeit. Mit einer Kapazität von bis zu 50 Mio. Passagieren wird BER zu den 20 größten Flughäfen der Welt gehören. Er wird damit knapp über dem derzeitigen Niveau vom JFK Airport in New York liegen. BER wäre der zweitgrößte deutsche Flughafen nach Frankfurt und deutlich größer als der Wettbewerber München. Ein Mangel an Kapazitäten ist nicht erkennbar.

Tegel bliebe ein Cityflughafen für wenige Privilegierte. Das sollte in einer modernen Stadtgesellschaft eigentlich undenkbar sein. Und: Bieten rund fünf Quadratkilometer beste Stadtlage kein besseres Nutzungspotenzial?

Berlin ist international attraktiv und wächst. Über 250 000 zusätzliche Einwohner wird unsere Stadt bis 2030 haben. Diese Menschen suchen nicht nur bezahlbaren Wohnraum, sondern auch Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen. Berlin braucht also geeignete Grundstücke – nicht nur für Wohnungsneubau, sondern auch für Dienstleister, Gewerbe und Industrie. Die Fläche des ehemaligen Flughafens Tegel kann hierfür bestens genutzt werden. Auf den insgesamt rund 490 Hektar soll unter dem Markennamen „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“ ein Forschungs- und Industriepark für Urbane Technologien entstehen. Warum diese Entscheidung?

Bald werden 70 Prozent der Weltbevölkerung auf weniger als drei Prozent der Erdoberfläche leben – in Städten, die heute zum Teil noch nicht einmal gebaut sind. Entsprechend wächst der Markt zukunftsfähiger urbaner Technologien, der Technologien für das Leben in den Städten von morgen. International hat man das bereits erkannt – Deutschland hat die besten Voraussetzungen, hier eine führende Rolle einzunehmen. Allerdings fehlt noch der passende Ort, an dem konzentriert gedacht, geforscht und produziert wird. Mit der Schließung des Flughafens Tegel bietet sich für Berlin die einmalige Chance, sich rechtzeitig erfolgreich in diesem globalen Markt zu positionieren, hier gibt es die dafür notwendigen Standortvoraussetzungen.

In „Berlin TXL“ können in den nächsten 20 Jahren 15 000 Arbeitsplätze in bis zu 800 Unternehmen entstehen. Diese würden ein jährliches Steueraufkommen von rund 350 Mio. Euro erwirtschaften und weitere 15 000 Arbeitsplätze schaffen. 5000 Studierende können den neuen Campus beleben, die Beuth-Hochschule steht schon in den Startlöchern. Schließlich können bis zu 2300 Wohnungen gebaut werden. Es gibt also eine wirtschaftliche Alternative zum Flugbetrieb.

Hartmut Mehdorn hat es geschafft, mit der Diskussion um den Weiterbetrieb von Tegel erfolgreich vom BER abzulenken. Er hat dabei Kollateralschäden in Kauf genommen. Wir sollten uns nun wieder darauf konzentrieren, diesen neuen, für Berlin so wichtigen Flughafen BER fertigzustellen. Und den Flugbetrieb in Tegel endlich einzustellen. Es ist Zeit für eine zukunftsfähige Nachnutzung.

— Bernhard Hildebrand, Tegel Projekt GmbH,

Leiter Vertrieb & Marketing, Berlin

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