Weltkrise : Staaten – auch nur Menschen

Stell dir vor, es ist Krise und keiner geht dagegen an. Unvorstellbar? Ja. Denn wenn es keiner täte, dann würde die Welt explodieren.

Stephan-Andreas Casdorff

Wer diesen Satz für übertrieben hält, der soll den Chef des amerikanischen Geheimdienstes fragen, der würde es nicht so, aber so ähnlich sagen. Weil die Weltwirtschaftskrise zur Weltsicherheitskrise wird, und war mit jedem Tag mehr, den sie länger dauert.

Der Kapitalismus ist tot, rufen auch schon die Konservativen, aber was stattdessen lebt oder alles aufleben wird, weiß noch keiner ganz genau. Die Unsicherheit in den Finanz- und Wirtschaftsstrukturen, die ein Staat unbedingt um Funktionieren benötigt, hat zur Unsicherheit im Denken geführt. Wo die äußere Stabilität bedroht wird, ist zugleich um die innere zu fürchten. So sind Menschen. Und in diesem Fall sind Staaten auch nur Menschen.

Die Globalisierung als Kannibalisierung ist das eine Phänomen, das negative. So hat sie sich leider finanziell-wirtschaftlich entwickelt. Das andere Phänomen liegt unverändert in der Globalisierung als Chance. Ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit etwa nicht mehr wünschenswert? Ist nicht unser Planet, aufs Ganze gesehen, zu klein für jeden Anfall von Großmannssucht? Nicht erst der Club of Rome hat gewusst, dass die Lösungen um Fortbestand der Erde weltumspannend sein müssen.

Insofern hat der Chef des amerikanischen Geheimdienstes nichts enthüllt, was nicht schon bekannt wäre, aber er hat es anschaulich gemacht. Asien, Afrika, Südamerika, die Lage der Kontinente, die Beanspruchung nicht bloß ihrer Regierungen, sondern der ohnedies um Teil geschundenen Regierten wird zur großen Herausforderung. Dazu die Unruhe in den Vielvölkerregionen der GUS – ja, das kann ein Panorama des Schreckens sein.

Jetzt ist die Zeit für Visionen. Die Welt ist gut beraten, sich weiter und tiefer zu vernetzen, gerade über die Sicherheit und die Wirtschaft. Vernetzung nämlich bedeutet Stabilisierung, und je mehr die Kooperation ausgebaut wird, desto stärker wird das Netz. Damit lässt sich ein Irrwisch besser einfangen und ein Irrwitz in der Sache besser abfangen. Warum hat Hans-Dietrich Genscher den KSZE-Proess so sehr gefördert? Weil er genau dieses Ziel hatte. Der Prozess ist erfolgreich und ein Grundmuster staatlichen Handelns bis heute, über Europa hinaus, für eine Welt voller Waffen und Misstrauen.

In Zeiten der Krise findet das Rettende sich auch, finden sich Kümmerer statt Kämmerer. Die Konjunkturprogramme vertragen den Begriff „beherzt“, weil es auch darum geht: den Menschen den Herzschlag u fühlen, ihnen existenzielle Ängste zu nehmen, die sie sonst zur Irrationalität verführen könnten. Sage keiner, dass er das Gefühl nicht kennt, in die Enge getrieben zu sein, sich daraus befreien zu wollen. Ja, und darum gilt im erweiterten Sinn eben auch: Menschen machen Staaten.

Die USA tun es, die Briten, die Franzosen, die Deutschen – entschlossen handeln, mit Milliarden. Das ist ihre Pflicht, wenn sie Schaden nicht nur von ihrem Volk abwenden wollen, von ihren eigenen Nationen, sondern von den Milliarden im Unglück vereinten Menschen. Zu warten, bis das ganze Ausmaß der Krise sich zeigt, hieße, sie anzufachen, hieße, Kriege zu riskieren. Krieg um Überleben? Ein Widerspruch in sich, ein Irrwitz. Stell dir vor … Sorgen wir dafür, dass keiner bis um Äußersten geht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben