Meinung : „Wer wird den Papst in Istanbul töten?“

Thomas Seibert

Der stark gesicherte Konvoi des Papstes ist auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt der türkischen Metropole Istanbul, als sich zwei Männer plötzlich vor ein Fahrzeug der Wagenkolonne werfen. Der Mercedes von Benedikt XVI. muss bremsen – an einer Straßenkreuzung, in deren Ampeln mehrere Ladungen Plastiksprengstoff versteckt sind. Genau in diesem Moment werden die Bomben ferngezündet. Die gewaltige Explosion schleudert Benedikts schwere Limousine mehrere Meter hoch in die Luft, das weiße Gewand des Papstes färbt sich blutrot.

Das ist der Höhepunkt des Thrillers „Attentat auf den Papst“ des türkischen Autors Yücel Kaya, der wenige Wochen vor dem Besuch von Benedikt in der Türkei für Furore sorgt. „Wer wird den Papst in Istanbul töten?“ lautet der Untertitel. Rund 10 000 Exemplare des Buches wurden bisher verkauft, selbst für türkische Verhältnisse ist das nicht gerade ein Bestseller. Im westlichen Ausland sorge der Krimi für wesentlich mehr Aufregung als in der Türkei, kommentierte eine Zeitung.

Yücel, 45, lässt in seinem Buch einen türkischen Geheimagenten gegen ein finsteres Komplott von Amerikanern, Israelis und katholischen Geheimbünden kämpfen, das in der Explosion in Istanbul gipfelt. Benedikt überlebt das Attentat schwer verletzt. Offiziell wird Iran für die Tat verantwortlich gemacht, bei der islamische Fundamentalisten als nützliche Idioten benutzt werden, in Wirklichkeit aber ein Jude den Wagen des Papstes in die Luft jagt. Der Anschlag soll den Vorwand für einen westlichen Großangriff auf die islamische Welt liefern, und so endet das Buch mit dem Start eines amerikanischen Bombenangriffs auf Mekka, die heilige Stadt der Muslime.

Autor Kaya selbst ist überzeugt, dass der von ihm entworfene Anschlagsplan realistisch ist. „Ich wollte, dass die türkischen Behörden und der Vatikan die Gefahr erkennen“, sagte er einer türkischen Zeitung. So rückt eine Frage, die seit dem Streit über die Islam-Äußerungen Benedikts ohnehin heftig debattiert wird, noch weiter in den Vordergrund: Ist der Papst in der Türkei noch sicher? Mehmet Ali Agca, der 1981 in Rom auf Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. schoss, warnte aus seiner Istanbuler Gefängniszelle heraus, der Papst solle lieber nicht in die Türkei kommen. „Ihr Leben ist in Gefahr“, warnte Agca den Papst über seinen Anwalt. Natürlich hat Agca auch seinen Part in Kayas Buch: als Experte in Sachen Papstattentate.

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