Meinung : Wie es sich gehört

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Stil und Form zu wahren – das ist im Amtsbereich des Verteidigungsministers besonders wichtig. Die Identität und das Selbstwertgefühl der Truppe hängen davon ab. Ihr neuer Minister Peter Struck scheint ein besseres Gespür dafür zu haben als der Kanzler. Die Art, in der Schröder Scharping rauswarf, haben einige in der Bundeswehr so empfunden, als würden sie selbst gleich mit gedemütigt. Struck bemüht sich, den Schaden zu beheben. Wie er zum Beispiel das Gelöbnis absolvierte, so selbstverständlich und würdevoll, als sei das kein Neuland für ihn: Das hat ihm Sympathien und Achtung eingetragen. Mit diesem Typus Minister – ein bisschen knorrig, ein bisschen preußisch – hat sich die Truppe schon immer leichter getan als mit etwas zu eleganten oder etwas zu abgehobenen Inhabern der obersten Befehls- und Kommandogewalt. Nun hat Struck noch eins drauf gesetzt – und den von Schröder heruntergeputzten Scharping ein gutes Stück rehabilitiert. Sein Vorgänger wird mit dem Großen Zapfenstreich zum Abschied geehrt. Struck sprach mit Respekt von Scharpings Amtsführung – wie vor ihm bereits Bundespräsident Rau; an dessen Arbeit gebe es nichts auszusetzen, also auch keinen Grund, jetzt alles anders zu machen. Und die SPD? Die tut sich viel schwerer mit der verzwickten Lage, dass ihr Ex-Vorsitzender kein überführter Übeltäter ist. Würde er als Wahlkämpfer zur Belastung? Oder wird umgekehrt schon bald seine Ausgrenzung zur Last, wenn nämlich Scharping die Vorwürfe aufklären kann? Auf Stil und Form wird auch außerhalb der Truppe geachtet. cvm

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