Meinung : „Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen“

Martin Gehlen

Dröhnendes Lachen und eine barocke Statur sind seine Markenzeichen. Nicht nur bei den Gläubigen, auch bei seinen Mitbischöfen kommt er an. Am Dienstag haben sie Karl Lehmann für weitere sechs Jahre zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt – zum vierten Mal, auch wenn diesmal erst nach einer zweistündigen internen Aussprache. „Es sieht so aus, als ob alles ein Spaziergang war, aber das war nicht der Fall“, sagte der 69-Jährige, ohne die ungewöhnliche Prozedur näher zu erläutern.

Doch durch die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst und dem Höhenflug seines Widersachers Joachim Meisner wegen des Weltjugendtags ist Lehmanns Rolle schwieriger geworden. Seine Offenheit und Dialogbereitschaft stoßen im Vatikan auf Misstrauen. Seine konservativen Amtsbrüder werfen ihm vor, er laviere zu viel und trete nicht prinzipienfest genug auf. So mahnte Lehmann gleich zu Beginn des Fuldaer Bischofstreffens in der Kirche einen verantwortungsbewussten Umgang mit Macht an. Die Kritik der so genannten Kölner Erklärung von 190 Theologieprofessoren gegen den römischen Zentralismus hielt er seinerzeit für diskussionswürdig. Bis zum päpstlichen Machtwort im Jahr 1999 versuchte Lehmann, die katholischen Beratungsstellen im staatlichen System der Schwangerenkonfliktberatung zu halten. Lange wurde dem Mainzer Bischof dafür die Kardinalswürde vorenthalten, die ihm als Vorsitzendem der Bischofskonferenz traditionell zusteht.

Theologisch verwurzelt ist der katholische Chefdiplomat im Zweiten Vatikanischen Konzil. Die dort erreichte Öffnung der Kirche zur Welt ist ihm bis heute zentrales Anliegen. In seinen Augen darf die Kirche weder auf wilden Reformeifer und Zeitgeist setzen, noch ängstlich auf allen tradierten Regeln und Formen beharren. „Ich bin für Entschiedenheit im Bekenntnis, wehre mich aber gegen jeden unerleuchteten Fundamentalismus und jede Bunkermentalität“, sagt er. „Wir müssen unseren Glauben überzeugend leben“, lautet sein persönliches Credo.

Das wird schwer genug werden: Viele Bistümer stehen vor harten finanziellen Einschnitten und müssen Personal entlassen. Der Klerus ist überaltert, es fehlt an Priesternachwuchs. Und in den ökumenischen Beziehungen dominieren Spannungen und Stillstand. „Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen“, lautete in der Vergangenheit stets Lehmanns Devise. Und damit will er auch die künftigen sechs Jahre meistern.

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