Meinung : Wir müssen’s ausbaden

„Früh war alles besser“ vom 7. Januar

Das ist wohl wahr, dass Herr Hensing eine große Welle macht. Zum einen werden mal flott die Eintrittsgelder innerhalb kurzer Zeit erhöht, zum anderen nölt er nur über unsere Berliner Schwimmbäder. Was hat er in der Zeit überhaupt mal geleistet? Was verdient eigentlich so ein Chef der Bäderbetriebe? Wenn er weiterhin die Preise so hochtreibt, geht gar keiner mehr ins Bad, auch wenn er dann die Eintrittspreise für Familien mit zehn Kindern

erfindet.

Ich glaube kaum, dass sich Spaßbäder in Berlin durchsetzen, man denke nur an das „Blubb“. Ich schlage Herrn Hensing vor, mal ins kleine Radelandbad zu kommen, wenn wir Senioren uns durch die Wellen arbeiten, vorher noch die Kinderschwimmkurse stattfinden und im Nichtschwimmerbecken die Kleinen auch Spaß mit Nudel und Schwimmbrett haben. Was überhaupt nicht fehlt, ist eine Rutsche. Wenn ich Spaß haben will mit meinen Enkeln, besuche ich im Umland ein Spaßbad, wenn ich aber täglich schwimmen gehen will, mein großes Enkelkind viermal im Schwimmverein trainiert und die Kleine jetzt gerade schwimmen lernt, liegt die Betonung auf „Schwimmen“. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da. An mir liegt es also nicht, dass Herr Hensing so in den Miesen ist.

Helga Horn, Berlin-Hakenfelde

Mit der neuen Preiserhöhung ist den Berliner Bäderbetrieben mal wieder ein Rundumschlag gegen die meisten Schwimmer gelungen. Überlegungen zur Attraktivitätssteigerung der Bäder, um durch Spiel, Spaß und Wellness mehr Gäste in die Bäder zu locken, entsprechen nicht der Leitidee des Bäderanstaltsgesetzes. Schwimmen wird zum Luxus. Die Schwimmer in unserer Schwimmhalle ziehen ihre Bahnen für ihre Gesundheit und eigene Fitness, was die Krankenkassen auch seit Jahren empfehlen, weil es auf lange Sicht Kosten spart in der Gesundheitsvorsorge.

Eine Erhöhung der erhofften Mehreinnahmen ist fraglich. In der Praxis sieht es so aus, dass einige Schwimmer noch alte preisgünstige Karten abschwimmen, sich aber keine neuen mehr leisten können. Schon jetzt ist es merklich leerer geworden.

Wie kann es sein, dass in München, wo die Menschen mehr Geld verdienen, die Preise für Früh- und Spätschwimmer in allen Schwimmhallen 2,90 Euro für 2,5 Stunden betragen, während wir in Berlin 45 Minuten schwimmen dürfen für 3 Euro 50?

Öffentliche Schwimmhallen, Sportstätten und Bildungseinrichtungen „rechnen“ sich nicht. Das ist uns bekannt. Trotzdem müssen diese Einrichtungen für alle zugänglich sein für unser aller Gemeinwohl. Funktioniert das überhaupt nicht mehr, haben unsere gewählten Volksvertreter versagt.

Das regelmäßige Schwimmen hat mich nach einem schweren Bandscheibenvorfall 1996 an der Halswirbelsäule vor einer Operation bewahrt. Durch das Schwimmen brauche ich keine Schmerzmittel mehr einnehmen.

Martina Lindner, Berlin-Köpenick

Die Preiserhöhung ca. Mitte 2013 von 2,50 auf 2,80 Euro habe ich geschluckt, obwohl das bereits ein ziemlicher „Schluck aus der Pulle“ war: ein sattes Plus von zwölf Prozent! Ebenso war mir bisher eigentlich meine Lebenszeit zu schade, um die im Vorfeld kolportierte neuerliche Anhebung zum Jahresbeginn um weitere 25 Prozent auf 3,50 Euro zu kritisieren. Dabei ist bereits dies eine Riesenfrechheit, noch dazu in so kurzem Abstand zur letzten Anhebung!

Aber was ich im Paracelsus-Bad erleben musste, ist kaum zu toppen: man wollte 5,50 Euro an der Kasse. Das sind knapp hundert Prozent mehr! Sind sie von allen guten Geistern verlassen? Selbst die Bahn (oder auch die BVG), die gerne regelmäßig erhöht, bleiben im unteren einstelligen Prozentbereich. Um dem nächsten Einwand zu begegnen: Ja, ich habe vernommen, dass dies nur am Wochenende gilt. Der ermäßigte Späteintritt wird Montag bis Freitag weiterhin angeboten. Wenn man genau hinsieht, mit einem Pferdefuß: Man muss in 45 plus 20 Minuten Gesamtzeit wieder draußen sein, sonst wird nachkassiert. Diese Art von Erbsenzählerei wurde gottlob vor Jahren aufgegeben. Unvorstellbar, dass sie dahin wieder zurückwollen!

Es sieht so aus, dass die Spätbadezeit am Samstag absichtlich unattraktiv gemacht wurde, um sie dann streichen zu können. Es war gerade vor Jahren ein positiver Aspekt, die Öffnungszeiten flexibler zu gestalten. Ich kann mich dunkel erinnern, dass der neue Chef zu Beginn in den Medien u. a. sagte, man müsse die Preise mehr differenzieren, um eine gleichmäßigere Auslastung zu erzielen. Also quasi wie die Fahrpreise bei der Bahn. Daran ist nichts Schlechtes, aber hier wird sicher das Gegenteil erreicht.

Matthias Loose, Berlin-Reinickendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben