Meinung : Wir sind realistischer geworden

Ich erinnere mich noch sehr wohl an den 9. November. Ich habe auf dem Fußboden gesessen, vor dem alten Wega-Fernseher meines Vaters, und habe geweint. Das war in Münster, Westfalen. Ich studierte BWL, war mitten in der Examensvorbereitung und konnte aufgrund der Ereignisse vom Fernseher nicht mehr lassen. Ich bin nah am Wasser gebaut, das war so emotional für mich. Ein Freund war dabei, der sagte: „Jetzt können wir nach Berlin fahren und richtig feiern.“ Eine Woche später sind wir los. Der Ostteil der Stadt erinnerte mich an meine Kindheit, es sah aus wie im Westdeutschland der fünfziger Jahre. Aber die Stimmung war euphorisch, wir sprachen die ganze Zeit nur mit fremden Menschen, als kennten wir uns seit Jahren. Man fühlte sich wie eine Familie. Inzwischen sind wir realistischer geworden.

UWE HERMANNSEN (52)

Kommunikationstrainer aus Münster

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