Meinung : Wo die Landschaften blühen

„Neue deutsche Konsequenzen“

vom 26. August

Antje Sirleschtov kritisiert zu Recht die überheblichen und populistischen Töne besonders von CSU-Politikern gegenüber Griechenland als „geschichtsvergessen und verantwortungslos“. Sie verweist u. a. auf den Faktor Zeit beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg. So weit, so gut. Ihr Hinweis aber auf die noch immer fehlenden blühenden Landschaften in den neuen Bundesländern, die man trotz der Milliarden aus dem Westen noch heute suchen müsse, ist allerdings so ärgerlich wie falsch!

Wie blind muss man eigentlich sein, um nicht zu sehen, wie flächendeckend aufwendig und zum großen Teil auch gelungen die zur Zeit der Wende doch stark heruntergekommenen Städte, Städtchen und Dörfer der ehemaligen DDR inzwischen restauriert und modernisiert wurden. Nicht nur Touristenmagnete wie Dresden, Görlitz, Leipzig, Erfurt, Weimar und die Ostseebäder, auch kleinste Städtchen und Dörfer haben sich herausgeputzt. Wenn man allein die Objekte auflistet, die mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Laufe der letzten 20 Jahre hergerichtet wurden, dann kann man nur den Hut ziehen vor so viel gründlicher und sorgfältiger Aufbauleistung und zwar auch der kleinsten und unscheinbarsten Dorfkirche. In Potsdam konnte ich die Wiederherstellung alter Bausubstanz und auch z. T. gelungene Ergänzungen durch Neubauten finden. Inzwischen hört man in Gesprächen sogar einen gewissen Unmut, nicht nur von DDR-Nostalgikern, über ein Zuviel an Verschönerung! Ich weiß nicht, wo sich die Autorin vergeblich auf die Suche nach blühenden Landschaften begeben hat, ich könnte ihr ganz viele zeigen. Nun sollte man sich nicht vom äußeren Glanz blenden lassen, aber auch für die gesellschaftliche Situation der Rentner, Polizisten und Lehrer in den neuen Bundesländern braucht sich im europäischen Vergleich niemand zu schämen.

Adelheid Mallach, Potsdam

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