Wowereits Erbe im Aufsichtsrat : Fatale Verführung am BER

Was Berlins Finanzsenator und der BER-Chef über den Aufsichtsrat sagen, klingt ähnlich. Aber Ulrich Nußbaum und Hartmut Mehdorn meinen etwas anderes. Ein Kommentar

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Psst, hör’ mal. Am BER, meint Hartmut Mehdorn (links), wird’s eng. Klaus Wowereit hat damit bald wenig zu tun.
Psst, hör’ mal. Am BER, meint Hartmut Mehdorn (links), wird’s eng. Klaus Wowereit hat damit bald wenig zu tun.Foto: dpa

Am 777. Tag nach der Nichteröffnung des Flughafens BER – gerechnet vom Termin Juni 2012 an, dem einzigen der bisher fünf geplatzten, für den die Einladung zur Festveranstaltung schon verschickt, die Flugpläne umgeschrieben waren – ereignete sich einer dieser Zufälle, die keine sind: 1) Flughafenchef Hartmut Mehdorn fordert, nach dem Rückzug von Klaus Wowereit als Aufsichtsratschef „den Flughafen zu entpolitisieren“. 2) Finanzsenator Ulrich Nußbaum fordert nach dem Rückzug von Wowereit, „das Thema BER sollte entpolitisiert werden“. Na so was.

Vom Zentralflughafen der DDR zum Billigflieger-Terminal
Der heutige Flughafen Schönefeld SXF entstand in der Nachkriegszeit auf dem ehemaligen Gelände des Flugzeugbauer Henschel und wurde nach und nach zum Zentralflughafen der DDR ausgebaut.Weitere Bilder anzeigen
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25.11.2016 09:02Der heutige Flughafen Schönefeld SXF entstand in der Nachkriegszeit auf dem ehemaligen Gelände des Flugzeugbauer Henschel und...

Ist da ein Senator ohne Parteibuch, der dem Dr. womöglich demnächst ein Ex- hinzufügen muss, je nach dem, wer neuer Senatschef wird, auf Anschlussverwendungssuche – und hat gleich schon einen Mentor gefunden? Oder eint beide nur der Wunsch, SPD-Chef Jan Stöß aus dem einen wie dem anderen Amt fernzuhalten? Jedenfalls erkennen Nußbaum wie Mehdorn am BER einen Mangel an unternehmerischem Sachverstand. Beim näheren Hinsehen wird jedoch klar, dass sie zwar – fast – dasselbe sagen, aber Unterschiedliches meinen: Mehdorn nur den Aufsichtsrat; Nußbaum alles – die gesamte Organisation, die Gesellschafterstruktur, den Aufsichtsrat, die Geschäftsführung und damit auch Mehdorn. Der Finanzsenator hat mehrfach gesagt, dass es ihm „ziemlich auf den Keks“ geht, „wie viel Geld da reingehauen wird“. Geld, dass er verwaltet, aber Mehdorn raushaut, da verläuft die Linie, jedenfalls noch.

Die Politik kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen

So oder so, zu den wichtigsten Fragen dieser Tage gehört genau diese, von Nußbaum wie Mehdorn aufgeworfene: Wäre ein Experte an der Spitze des Aufsichtsrats nicht wirklich besser als ein Politiker? Eine fatale Verführung.

Mehdorn hat zwar recht, wenn er meint, dass politische Eröffnungstermine, Ausstattungswünsche und Hobbyfliegerei dem BER und den Steuerzahlern geschadet haben. Dazu gehört, dass die Politik die einstmals geplante Privatisierung des Flughafens gecancelt hat. Seitdem fließt öffentliches Geld in breiten Strömen durch nutzlose Kabelschächte, wird in ständigem Kurzschluss verbrannt und durch die angeblich defekte Entrauchungsanlage in die Schönefelder Luft geblasen. Aber gerade deswegen kann sich die Politik nicht aus der Verantwortung ziehen. Fachkompetenz gehört ins Management, die Aufsicht muss – auch – die Interessen der öffentlichen Gesellschafter vertreten, untereinander, vor allem aber: gegenüber der Geschäftsführung.

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