Meinung : Wozu noch das C?

Christlich sind die Grünen, nicht die CDU. Die katholischen Bischöfe werden es ihr zeigen

Stephan-Andreas Casdorff

Und Kardinal Meisner hat doch recht. In diesem Fall. Man sollte der CDU das „C“ für Christlich aberkennen. Man sollte ihr die Behauptung verbieten, sie mache Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes. Bei der wichtigsten Gelegenheit, bei der Abstimmung über das Grundsatzprogramm, stimmt die Demokratische Union einer Stammzellregelung zu, die der Ausverkauf ihrer ethischen Grundsätze ist. Hauptsache, der Forschung geht’s gut?

Ja, man kann so denken. Ja, man darf so handeln. Ja, man kann sagen: Das ist der Fortschritt. Aber mit der CDU hat das nichts zu tun. Dagegen viel mit kalter Parteitagsregie, damit das gewünschte Ergebnis herauskommt, die Verschiebung des Stichtags für den Import embryonaler Stammzellen von 2002 auf 2007. Die Rednerliste sagt doch alles!

Die Delegierten, die unterlegen sind, werden es sich merken. Die katholische Kirche, die brüskiert ist, wird es nicht vergessen. Die Wähler, die – zumeist katholisch – in der CDU noch eine Partei sahen, die bewahrt, was zu bewahren sich lohnt, werden es vergelten.

Wer das neue Grundsatzprogramm nicht ernst nimmt, für den ist die Sache auch nicht ernst. Wem aber wichtig ist, was eine Partei an Grundsätzen formuliert, dem schlägt das Ergebnis vor den Kopf. Wie oft ist von Menschenwürde die Rede, vom christlichen Menschenbild – als es darauf ankam, wurde dagegen entschieden. Also ist die Sache klar. Da mag jetzt Annette Schavan klagen über ihr ethisches Dilemma – selber schuld. Ihr Richtungswechsel ist nicht nur unverständlich, er war auch unnötig. Oder doch: Weil sie offenbar glaubte, dass Angela Merkel, die Naturwissenschaftlerin, es so will. Die hat Schavan als Ministerin und den Beschluss dann ja auch gerettet. Einen Beschluss, der so und so nachwirken wird.

Denn wie kann Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn jetzt sagen: Es wurden ethische Grundsätze geopfert. Genau. Und nicht nur, dass darin eine (wahltaktische) Hoffnung für die Grünen liegt – die Grünen sind die Hoffnung. Ihre Haltung ist nicht beliebig. Die katholischen Bischöfe werden es honorieren.

Der Beschluss von Hannover ist nur der Anfang. Der Chef der DFG, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sagt es offen: Er hofft, dass das jetzige Gesetz bald durch ein „besseres“ abgelöst wird. Ein besseres – in seinem Sinn.

In Deutschland dürfen Forscher bisher an embryonalen Stammzelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 im Ausland gewonnen wurden. Diese Regelung soll verhindern, dass zusätzliche verbraucht und dazu Embryonen vernichtet werden. Forscher drängen zur Verschiebung des Stichtags, weil die Stammzellen nicht mehr brauchbar seien. Die Forscher drängen – und werden das Gesetz bekommen. Schavan wird ihnen helfen.

Der CDU ist nicht zu helfen. Weil ihre Mitglieder sowieso kaum mehr in die Kirche gehen, hören sie nicht, was die Geistlichen sagen. Aber wozu auch. Die Partei ohne C, die Demokratische Union, findet ihren Standort. In der Mitte, irgendwo. Wo es gerade passt.

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