Meinung : Zeit für Orangen

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Hat Gerhard Schröder eine orangene Krawatte? Dann ist es heute Zeit, sie zu tragen. Es darf auch ein Einstecktuch, eine Apfelsine oder Mandarine sein, mit denen er Wladimir Putin am Tag des EURussland-Gipfels zeigt, wo er steht: Dort nämlich, wo jetzt alle Demokraten stehen müssen, weil in Gefahr gerät, was Demokratien von Diktaturen unterscheidet. Des Kanzlers Freundschaft mit Putin ist ehrenwert, aber sie stößt an ihre Grenzen, wenn unsere Grundwerte in Frage gestellt werden. Dazu gehören freie, gleiche und faire Wahlen sowie der Respekt vor dem Willen der Mehrheit. Orange ist die Farbe der Opposition in der Ukraine – und nach allem, was wir wissen, die Farbe der eigentlichen Wahlsieger. Der abtretende Präsident Leonid Kutschma und seine Kader versuchen, diesen Sieg zu stehlen. Wladimir Putin deckt und verteidigt den Betrug. Diesen Schritt darf Schröder weder mitgehen noch verteidigen noch stillschweigend tolerieren. Der Kanzler muss Farbe bekennen – alle EU-Vertreter sollten es tun. Den Kampf um das wahre Wahlergebnis und seine Anerkennung, den können nur die Ukrainer führen. Sie tun es mit einer bewundernswerten Fantasie und Disziplin. Das Ausland kann sie dabei unterstützen, sollte seine Solidarität zeigen. Nur für den Fall, dass die Damen oder Herren EU-Vertreter beim Treffen mit Putin das diesmal Wichtigste vergessen sollten: Wer bestellt eine Kiste Orangen an den Eingang des Gipfelgebäudes, aus der sie sich bedienen können? cvm

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