Meinung : Zwischen Freund und Feind

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Nüchtern betrachtet hat sich beim ersten Treffen zwischen George Bush und Chinas Staatschef Jiang Zemin nicht viel verändert. Sie werden auch in Zukunft über vieles streiten: Über Menschenrechte, Waffenlieferungen, Taiwan. Die Interessenkonflikte wurden nur ausgeklammert, gelöst sind sie nicht. Bush bewunderte Schanghai als moderne, aufgeschlossene Metropole, die vielleicht am eindrücklichsten Chinas Erfolge symbolisiert. Doch die Regierung in Peking ist längst nicht so tolerant und verantwortungsbewusst, wie sie sich auf dem Asien-Pazifik-Gipfel präsentiert. Deutlich wurde dies an Chinas Umgang mit Taiwan. Peking verweigerte Taipehs Delegierten so lange das Visum, bis Taiwan die Konferenz boykottierte. Doch es gibt auch Anlass für Hoffnung: China und die USA sind näher zusammengerückt. Die Anschläge in den USA haben die Spannungen des vergangenen Jahres, den Streit um das Spionageflugzeug und Handelszölle, relativiert. Peking nutzte seinen Einfluss in Asien, um unter den 21 Apec-Staaten Unterstützung für Washingtons Kampf gegen den Terrorismus zu sammeln. Vielleicht brauchte es erst eine Katastrophe, ehe man in Washington und Peking aufwachte. China und die USA sind nach dem Gipfel von Schanghai noch keine Freunde - aber eben auch keine Feinde.

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