ZWISCHEN Ruf : Wer lernt, lebt auch länger

Frauen und Männer in Deutschland werden immer älter. Aber sie werden deshalb nicht gesünder und auch nicht glücklicher. In anderen Ländern haben ältere Menschen deutlich bessere Aussichten.

Ursula Weidenfeld

Frauen und Männer in Deutschland werden immer älter. Aber sie werden deshalb nicht gesünder und auch nicht glücklicher. Ein britisches Forscherteam hat jetzt herausgefunden, dass eine Frau in Deutschland, die heute 50 ist, zwar gute Aussichten hat, noch über 30 Jahre zu leben. Doch gesund und beschwerdefrei werden davon nur rund 15 sein. Bei Männern, die im Durchschnitt knapp 80 werden, gilt das genauso. Auch sie werden mit Mitte 60 mit den ersten nachhaltigen Beschwerden zu kämpfen haben, die die Lebensfreude trüben.

In anderen Ländern haben ältere Menschen deutlich bessere Aussichten, das letzte Drittel ihres Lebens gesund und auch munter zu verbringen. Dänen zum Beispiel. Wenn sie heute 50 sind, können sie damit rechnen, noch 25 gesunde Jahre zu erleben, auch die Bewohner des reichen Malta haben durchschnittlich noch 22 gesunde Jahre vor sich. Esten dagegen sind schon mit rund 60 nicht mehr richtig fit.

Wie das kommt? Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Bildung, Wohlstand und der Aussicht, gesund alt zu werden. Das liegt ja auch auf der Hand. Wer ein schweres Leben hat, lange Zeiten von Arbeitslosigkeit und Armut auf sich nehmen musste, der hat größere Risiken, krank zu werden. Doch auch unter denen, denen es gut geht, gibt es enorme Unterschiede. Die scheinen sehr viel damit zu tun zu haben, ob Menschen nach Schule und Berufsausbildung weiterlernen oder nicht, ob sie Sport treiben oder nicht. Wer Weiterbildungsmaßnahmen besucht, an seinem Arbeitsplatz durch viele wechselnde Aufgaben gefordert wird, Rechenaufgaben löst und zudem auch noch Ausdauersport betreibt, bleibt gesünder.

Auch Allgemeinplätze? Dann fragt man sich schon, warum Weiterbildung in Deutschland immer noch eine Angelegenheit ist, die im Wesentlichen für Teilnehmer unter 50 gedacht ist. Jetzt, wo das Geld wieder knapp wird in den Firmen, werden außerdem die betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen eingedampft, die nicht unbedingt nötig sind. Das kann notwendig sein. Aber dann darf im nächsten Aufschwung auch nicht gejammert werden, die Arbeitskräfte seien insgesamt zu alt, zu unbeweglich und auch zu krank. Gesundheit gibt es nicht umsonst, gesunde und fitte Mitarbeiter auch nicht. Dafür müssen alle Beteiligten etwas tun. Auch in schweren Zeiten.

Die Autorin ist Chefredakteurin von „Impulse“.

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